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Wowereit und die Berliner SPD : Die Partei bin ich

  • -Aktualisiert am

Klaus Wowereit und der Landesvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller, im Gespräch Bild: dapd

Die Berliner SPD verschwindet hinter Klaus Wowereit. Eine Partei, die sich so behandeln lasse wie die Berliner SPD von Klaus Wowereit, verdiene nichts anderes: So war es vor Jahren schon von einem Delegierten auf einem Parteitag zu hören.

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          Gleich zwei Mal beteuerte Klaus Wowereit, er mache den Grünen „keinen Vorwurf“, er nehme keinerlei „Schuldzuweisungen“ vor. Das war wenige Minuten, nachdem ein Wink von ihm die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen abrupt beendet hatte, im Pressezimmer „seines“ Roten Rathauses, und es machte alle, die ihn etwas kennen, misstrauisch. Wer so seine Unschuld betont, fühlt sich nicht unschuldig. Die Grünen hatten da noch keine Gelegenheit gehabt, zum Scheitern der Koalitionsverhandlungen auch nur einen Satz zu sagen; ihre Vertreter eilten dem Tross um Wowereit und dem SPD-Vorsitzenden Michael Müller hinterher, um zunächst zuzuhören und dann ihre Version des Geschehens zu bieten.

          Das Licht scheint seit Mittwoch noch greller auf Klaus Wowereit, den Regierenden Bürgermeister von Berlin. Bis zum 18. September hatte er einen Wahlkampf geführt, der ganz und gar auf ihn zugeschnitten war. In der Geschäftsstelle der Berliner SPD in der Weddinger Müllerstraße hängt noch immer das berühmte „Schnappi“-Plakat, auf dem ein gutmütig blickender Wowereit von einem Spielzeugkrokodil wie aus dem Kasperltheater in die Nase gebissen wird.

          Darunter liegen Faltblätter zur Mitgliederwerbung: „Jetzt Mitglied werden“, heißt es unter dem Konterfei des Regierenden. Sich einer Gruppe zuzugesellen, in der Wowereit etwas zu sagen hat, das wird im Augenblick wohl nur wenigen attraktiv erscheinen. Denn nicht nur im Wahlkampf, sondern auch während der Sondierungsgespräche zeigte Wowereit oft und unverhohlen seine unangenehme Seiten. In dem Bild, das er seit Mittwoch bietet, wird nicht er vom Krokodil gebissen, sondern er ist das Krokodil. Die Berliner Grünen hat er gebissen, jetzt ist die CDU dran.

          Ein unbekannter Anwalt besiegte den Bürgermeister

          Von heute aus gesehen war die Sache schon am Wahlabend klar: Die SPD hatte mit ihrem populären Spitzenkandidaten Wowereit 28,3 Prozent der Stimmen errungen und damit noch einmal 2,5 Prozentpunkte von ihren schon 2006 nicht berauschenden 30,8 Prozent verloren. Wowereit hatte nicht einmal seinen eigenen Wahlkreis direkt gewonnen; ein unbekannter Anwalt, der für die CDU kandidierte, besiegte den Bürgermeister.

          Wenn es Rot-Grün gegeben hätte, sagte Ramona Pop, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, am Donnerstag, wenn es Rot-Grün in Berlin gegeben hätte, dann hätten es die Grünen mit ihrem Wahlergebnis von 17,6 Prozent ermöglicht - sie hatten 4,5 Prozentpunkte zugelegt - und eben nicht die SPD. Die mit Abstand meisten Befgraten wünschten sich in Umfragen Rot-Grün, im Berliner Abgeordnetenhaus aber hätte das Bündnis nur über 76 von 149 Sitzen verfügt - dem endgültigen amtlichen Endergebnis zufolge.

          Ohne Gegenstimmen billigte der SPD-Landesvorstand nach gut zweistündiger Sitzung am Mittwochabend, nun solle mit der CDU verhandelt werden. Als der Landesvorstand am Montag vor einer Woche beschloss, mit den Grünen Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, gab es drei Gegenstimmen. Daraus ist keineswegs zu schließen, dass die Berliner SPD besonders CDU-nahe wäre; im Gegenteil, der Landesverband gilt als besonders links.

          Die ersten, die sich rührten, waren die Jusos. Sie forderten einen Parteitag und warfen Wowereit und Müller vor, „eigenmächtig“ Rot-Grün verhindert zu haben. Der zweite vom linken SPD-Flügel war Björn Böhning, der in Wowereits Senatskanzlei arbeitet. Am Mittwoch trug er die Leitz-Ordner vom Sitzungssaal ins Pressezimmer und von dort hinter Wowereit und Müller heraus. Böhning warnte in der „Leipziger Volkszeitung“ vor einem „Bruderkampf im rot-grünen Lager“. Von den vielen SPD-Mitgliedern und Funktionären, denen bei den Gesprächen „die Sehnsucht nach Rot-Grün ins Gesicht geschrieben stand“, wie der Grünen-Vorsitzende Daniel Wesener sagte, ist in Berlin jedoch nichts zu hören: Gibt es hier ein rot-grünes Lager?

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