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Wissenschaftliches Arbeiten : Empfehlungen für das Schöne, Wahre, Gute

Manfred Prenzl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, fordert wissenschaftliche Standards gleich zu Beginn des Studium zu vermitteln. Bild: dpa

Die Universitäten sollen mehr gegen das Fehlverhalten in der Wissenschaft tun – empfiehlt der Wissenschaftsrat. Eine institutionsübergreifende Plattform soll dabei helfen.

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          Trotz der großen Plagiatsfälle in der Wissenschaft, von Guttenberg bis Schavan, hat sich an manchen Universitäten nicht viel getan, um Betrug, Fälschung und Fehlverhalten in der Wissenschaft zu bekämpfen. Noch viel zu sehr wird auf einzelne Fälle des Fehlverhaltens gestarrt, anstatt die wissenschaftliche Integrität des gesamten Systems zu stärken. Bis heute wird nicht einmal die Zahl der Promovierenden in Deutschland statistisch erfasst. Längst nicht alle Universitäten sind dazu übergegangen, die schon im Jahre 2011 vom Wissenschaftsrat empfohlenen Betreuungsvereinbarungen zwischen Doktorand und Doktorvater zu schließen. Es ist nicht einmal klar, in welchem Maße eigentlich die Universitäten die vielen Empfehlungen für mehr Redlichkeit in der Wissenschaft verwirklicht haben. Der Wissenschaftsrat hat daher alle staatlichen Hochschulen und Fakultäten befragt, um sich ein genaueres Bild zu machen. Der Rücklauf lag nach vier Wochen bei 198 Fragebögen aus den Fakultäten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Aus einem ernüchternden Zwischenstandsbericht des Wissenschaftsrats, der an diesem Montag in Berlin vorgestellt wird und der dieser Zeitung vorliegt, geht hervor, dass es nicht einmal selbstverständlich ist, gute wissenschaftliche Praxis – also das richtige Zitieren, die systematische Literaturrecherche sowie den Umgang mit Forschungsergebnissen, Laborbüchern und die Reproduzierbarkeit von Versuchen in naturwissenschaftlichen Fächern – in Fachmodulen des Bachelor- oder Masterstudiums zu lehren. Das geschieht bisher in kaum mehr als der Hälfte der Fälle. Meist bleibt es der individuellen Entscheidung der Hochschullehrer überlassen, ob sie gute wissenschaftliche Praxis überhaupt vermitteln. Viel zu oft befassen sich die Doktoranden zu spät mit den Grundregeln des wissenschaftlichen Arbeitens: während der Promotionsphase oder in Weiterbildungen für Lehrende und Forschende nach der Promotion. Ihre eigenen Qualifikationsarbeiten sind dann längst geschrieben.

          Mehr wissenschaftliches Arbeiten statt Ankreuz-Klausuren

          Der Wissenschaftsrat appelliert deshalb an die Fakultäten, das Bewusstsein für die wissenschaftlichen Standards zu Beginn des Studiums zu wecken, das Abfassen von wissenschaftlichen Arbeiten zu üben und sie nicht durch Ankreuzklausuren (Multiple Choice) zu ersetzen. „Wir brauchen mehr als Regeln, wichtig für deren Verinnerlichung ist eine Haltung der Integrität, die von bestimmten Rahmenbedingungen beeinflusst wird“, sagt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel.

          Nicht immer tritt die wissenschaftliche Unredlichkeit so plump zutage wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Es gibt einen Graubereich des wissenschaftlichen Fehlverhaltens, der in der Öffentlichkeit meist nicht bekannt ist. Das betrifft zum einen die Nennung von Autoren, die gar keinen substantiellen eigenen Beitrag für eine Veröffentlichung geleistet haben, häufig Betreuer, Doktorväter, Gruppenleiter in den Naturwissenschaften. Häufiger als die großen Fälschungsskandale ist in den Naturwissenschaften das Weglassen unerwünschter Ergebnisse. Manchmal werden Versuche einfach so lange wiederholt, bis sie das gewünschte Ergebnis zeigen. Dieses Vorgehen jedoch wird nicht dokumentiert. Nur die Wiederholung der Versuche kann diese Fälle aufdecken. Allerdings müssten für Replikationsstudien, also für Versuchswiederholungen zur Kontrolle, die Daten zugänglich sein, und das ist häufig nicht der Fall. An mehr als der Hälfte der Universitäten werden Laborbücher und Daten nicht lange genug aufgehoben. Die Nachvollziehbarkeit und Transparenz von Forschungsmethoden, Arbeitsprozessen und Arbeitsergebnissen hält der Wissenschaftsrat allerdings für unerlässlich, um überhaupt von wissenschaftlicher Integrität reden zu können. Er plädiert deshalb für die langjährige Aufbewahrung aller Daten und ein gesichertes Datenmanagement an den Hochschulen.

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