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Wissenschaft : Ernstfall Pocken: Was wäre, wenn?

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Niemand mag im Moment an solche Konsequenzen ernsthaft denken. Das Risiko eines Pockenanschlag0s sei "sehr, sehr gering", beteuert Kurth immer wieder. Solange es auf der ganzen Welt keine Pocken gibt und nicht geklärt ist, ob der Staat für Nebenwirkungen haftet, wenn er seinen Bürgern einen nicht zugelassenen Impfstoff empfiehlt, wird in Deutschland auch niemand freiwillig gegen Pocken geimpft. Geben die Juristen grünes Licht, womit das RKI rechnet, wird im Rahmen eines Dreiphasenmodells mit dem Impfen begonnen. Zunächst werden nur Ärzte und Mitarbeiter aus Kompetenzzentren und Speziallabors dazu aufgefordert; bundesweit sind das fünfhundert bis sechshundert Personen. Kurth ist entschlossen, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. "Das geht gar nicht anders", sagt er. Träten irgendwo auf der Welt Pocken auf ("Phase 2"), würden die sogenannten "First Responder" folgen, die im Ernstfall die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten sollen: medizinisches Personal, Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, Beschäftigte aus Wasserwerken, E-Werken, Verwaltung inklusive politischer Führung. Diese Zahl ginge schon in die Hunderttausende.

Mit dem ersten Pockenfall in Deutschland ("Phase 3") würde die flächendeckende Impfung angeboten oder - je nach Bedrohungspotential - auch angeordnet. Die Entscheidung über eine allgemeine Pockenimpfpflicht obliegt nach dem Infektionsschutzgesetz entweder dem Bund oder den Bundesländern. "Die Länder haben allerdings schon signalisiert, sie hätten es gern, daß der Bund diese Verantwortung übernimmt", sagt Kurth.

Bei allen diesen Überlegungen bleibt die Frage der Verhältnismäßigkeit. So ansteckend, wie es oft dargestellt wird, sind Pocken nämlich nicht. Masern und Windpocken sind deutlich "kontagiöser". Übertragen wird der Erreger nur durch relativ enge Kontakte und über eine kurze Distanz. Ansteckend sind die Pocken im Normalfall erst, wenn schon klare Symptome auftreten, so daß einem Selbstmordattentäter nur ein kleines Zeitfenster bliebe, in dem er andere Menschen infizieren könnte, bevor er selber so schwach ist, daß er das Bett nicht mehr verlassen kann.

Darüber sind sich im Prinzip sogar alle einig. Doch es lassen sich unterschiedliche Konsequenzen ziehen. Das RKI rechtfertigt den Aufwand, der für die Pockenalarmpläne getrieben wird, mit dem Restrisiko eines "seuchenmedizinischen GAUs". Jan Leidel, der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, meint, daß man einen Terrorangriff auch in den Griff bekäme, wenn man nur Kontaktpersonen von Pockenkranken ausfindig machen, impfen und isolieren würde. Mehr sei angesichts der kommunalen Finanzmisere sowieso nicht drin. Vielleicht sei hier aber auch eine gewisse Portion politischer Aktionismus am Werk, argwöhnt er. Politiker könnten den Bürgern auf diese Weise signalisieren: "Seht her, es kann ganz schrecklich kommen. Aber wir sind aktiv und schützen euch." Eine solche Botschaft sei für Politiker nun mal nicht ohne Reiz.

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