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Unter 2 Grad erreichbar? : Wer auf den Abgrund zurast

Klimaschutz wird wie der Klimawandel selbst immer sichtbarer. Einige Staaten sollen trotzdem weiter machen wie bisher. Bild: AP

An salbungsvollen Worten zur Klimapolitik mangelt es auf der UN-Vollversammlung nicht. Den Realitätstest besteht sie noch immer nicht. Und einige Staaten scheren schon aus, bevor die Ankündigungsorgie ihren Höhepunkt erreicht.

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          Wer auf den Abgrund zurast, kann sich leicht ausrechnen, dass es irgendwann nicht mehr ausreicht, einfach den Fuß langsam vom Gaspedal zu nehmen. Richtig tragisch wird es aber, wenn in endlosen Argumentationsspuren so getan wird, als sei die Bremse das Problem und nicht der Motor. Dann geht es weiter vorwärts in den Abgrund. Und genau das sei eben der „katastrophale Weg“, den die Klimapolitik noch immer gehe, so hat es UN-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt der aktuellen UNO-Generalversammlung beklagt. Trösten müssen sich all jene, die sich noch lange mit dem Klimawandel herumschlagen müssen, nämlich mit Ankündigungen über künftige Ziele und Maßnahmen, die scheinbar nur ein gemeinsames Ziel haben: Der Fahrspaß soll erst mal möglichst wenig – bis gar nicht – leiden.

          In Brasilien, Mexiko und Russland ist die politische Klasse inzwischen schon wieder so weit, dass sie andere Prioritäten hat, als die Katastrophe auszuschließen. Die Nationalen Klimaziele dieser Länder lassen bald wieder höhere Emissionen zu. Nimmt man alle UN-Staaten zusammen, die in diesem für die Klimapolitik entscheidenden Verhandlungsjahr neue und kurzfristige (also auch überprüfbare) Klimaziele vorgelegt haben, ist die Erderwärmung noch immer nicht unter das Pariser Mindestziel – deutlich unter zwei Grad – zu bringen.

          Immerhin: In den Ankündigungsschleifen kursieren politische Absichten für Klimaneu­tralität, die laut einem der UN-Versammlung vorgelegten Bericht auf die hypothetische Möglichkeit einer Erwärmung von 1,7 Grad bis zur Jahrhundertwende hinweisen – vorausgesetzt, die zwanzig reichsten und emissionsstärksten Länder steigern ihre kurzfristigen klimapolitischen Ambitionen noch einmal deutlich.

          So wächst der Hoffnungsraum, je näher der nächste Klimagipfel im November rückt. Gleichzeitig drückt die Realität weiter mächtig aufs Gas. Bis 2030 werden die Emissionen mit den gegenwärtigen Zusagen aller Länder um 16 Prozent steigen. Und danach? Wird gebremst. Versprochen. So viel kann man ja schon mal ankündigen.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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