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Zur Ethik des Klimawandels : Ich bin doch nicht allein verantwortlich

  • -Aktualisiert am

Wirbelsturm auf den Bahamas Bild: AFP

Wer mehr Klimaschutz will, wird gerne moralisch in die Pflicht genommen. Geh Du voran, heißt es. Wir sollten uns aber von der Vorstellung lösen, dass der Einzelne die Verantwortung für den Klimawandel trägt. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Die Wissenschaft des Klimawandels ist enorm kompliziert. Laien können sie kaum durchblicken. Dennoch kann jeder davon ausgehen, dass der menschengemachte Klimawandel real ist, denn die Experten sind sich hierin einig. Bei den ethischen Fragen, die der Klimawandel aufwirft, verhält es sich interessanterweise genau umgekehrt. Hier haben offenbar alle – auch Laien – klare moralische Intuitionen. Aber der Diskussionsstand unter Experten ist alles andere als eindeutig. Die ethischen Fragen, die der Klimawandel aufwirft, sind schwieriger, als es auf Anhieb aussieht. Das zeigt etwa die Frage der moralischen Verantwortung.

          Diese Frage ist auf den ersten Blick einfach zu beantworten. Wir Menschen, so scheint es, sind moralisch für den Klimawandel verantwortlich. Denn gäbe es uns nicht, dann gäbe es auch keinen anthropogenen Klimawandel. Aber diese Schlussfolgerung ist problematisch. Die meisten Ethiker verstehen moralische Verantwortung als personale Kategorie. Moralisch verantwortlich kann nur sein, wer auch in der Lage ist, rational abzuwägen und zu handeln. Wir – die Menschheit – sind aber keine Person. Wer uns moralische Verantwortung zuschreibt, begeht also einen Kategorienfehler. Vielleicht tragen dann die einzelnen Personen, aus denen sich die Menschheit zusammensetzt, jeweils individuell die moralische Verantwortung für den Klimawandel?

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