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Zum Venustransit : Leben in Säurewolken?

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Venus: Gibt es Leben in den undurchdringlichen Wolkenschichten? Bild: dpa

In der Hitze der Venus kann nichts überleben, da sind sich die Wissenschaftler einig. Doch in den höheren Atmosphäreschichten könnten theoretisch Mikroorganismen existieren.

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          Eine Sonde nach der anderen haben Europäer und Amerikaner in den letzten Jahren zum Mars geschickt. Die Venus dagegen hat seit 1994 keinen Besuch mehr bekommen. Die Gründe liegen auf der Hand: Der rote Planet lockt mit der Verheißung, dort Spuren außerirdischen Lebens zu finden - und seien es nur fossile. Auf der Venusoberfläche jedoch lebt nichts, da ist sich auch der spekulationsfreudigste Forscher sicher. Bei Temperaturen um den Schmelzpunkt von Blei sind keine komplexen chemischen Prozesse mehr möglich, und ohne die gibt es kein Leben - kein Leben, wie wir es kennen, und auch keines, das wir uns im Rahmen der bekannten Naturgesetze auch nur vorstellen könnten.

          In 50 Kilometer Höhe allerdings, dort wo die dichten Schwefelsäurewolken der Venus beginnen, sieht die Sache schon etwas anders aus. Dort sind die Temperaturen mit 50 bis 70°C vergleichsweise gemäßigt. Für den Geobiologen Dirk Schulze-Makuch von der University of Texas in El Paso reicht das, um einige rätselhafte Beobachtungen in der Chemie der venerischen Hochatmosphäre durch die Anwesenheit winziger Mikroben zu erklären.

          Weniger verrückt als es klingt

          Tatsächlich ist die Idee weniger verrückt, als sie zunächst klingt. Mikroorganismen, die in Wolkentröpfchen durch die Atmosphäre schweben, gibt es auf der Erde ebenso wie solche, die sich in heißer Säure besonders wohl fühlen und sich von Schwefelverbindungen ernähren. Freilich sind diese irdischen Extrem-Mikroben aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erst unter solchen Bedingungen entstanden, sondern dürften sich erst durch langsame Anpassung an die harsche Umgebung aus gewöhnlicheren Vorfahren entwickelt haben. Doch das kann auch auf der Venus passiert sein. Viele Forscher glauben, daß es dort in der Frühzeit Ozeane gegeben haben muß, und manche halten es für möglich, daß die Entwicklung beider Planeten in den ersten paar hundert Millionen Jahren nach der Entstehung des Sonnensystems recht ähnlich verlief. Und wer daran glaubt, daß Leben immer entsteht, wo Wasser flüssig ist und sich Umweltbedingungen nicht ständig sprunghaft ändern, der darf auch annehmen, daß die Venus einst von primitiven Lebensformen besiedelt war. "Als dann die Ozeane allmählich verdampften, hätten die Organismen genug Zeit gehabt, sich an das Wolkenhabitat anzupassen", glaubt Schulze-Makuch. Und David Grinspoon von der University of Colorado, der die Idee vor einigen Wochen auf der Astrobiologie-Tagung der Nasa bei San Francisco verteidigte, vermutet: "Vielleicht waren die Wolken ja zu Anfang gar nicht so sauer."

          "Das ist kompletter Blödsinn!" wettert dagegen James Kasting von der Pennsylvania State University. Tatsächlich hat Schulze-Makuchs These einige Haken. Da wäre einmal die ultraviolette Strahlung. Die bekommt Mikroben normalerweise gar nicht gut, und da die Venusatmosphäre keinen Sauerstoff enthält, bildet sie auch keine schützende Ozonschicht. Schulze-Makuch glaubt aber, daß der reichlich vorhandene Schwefel durch Bildung von Molekülringen aus acht Schwefelatomen hier Ersatz schaffen kann.

          Wieso sind Venus-Wolken nicht grün?

          Ernster ist wahrscheinlich das Problem, daß es in der Venusatmosphäre heute einfach zuwenig freie Wassermoleküle gibt. Auch hier müssen sich die Anhänger der Theorie von den Venusmikroben in Spekulationen über exotische biochemische Vorgänge flüchten, die auf der Erde, wo Wasser überall vergleichsweise reichlich vorhanden ist, ohne Parallele sind. Andere Astrobiologen haben dagegen noch grundsätzlichere Bedenken. Wenn es die venerischen Luftbazillen wirklich gäbe, so ihr Einwand, hätten sie oder ihre Stoffwechselprodukte in den Meßdaten der Venussonden schon lange auffallen müssen. "Wo Leben existieren kann, neigt es zu Dominanz", sagt etwa der Nasa-Astrobiologe Chris McKay. "Wenn ich aus meinem Fenster blicke, sehe ich überall Grün - warum, bitte, sind die Venuswolken nicht grün?"

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