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Wissenschaftsleugner : Nicht den Falschen das Feld überlassen

Zähne zeigen, auch den Evolutionsleugnern: Szene aus „Jurassic Park 3“. Bild: obs

Wie umgehen mit radikalen Impfgegnern, Klimaleugnern und sonstigen Faktenverdrehern? Die Experimente dazu zeigen: Im öffentlichen Raum gibt es nur eins: Ausschwärmen und die Stirn bieten.

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          Was macht man nur mit diesen Leuten? Die einerseits munter Handys nutzen, in Flugzeuge steigen und Navigationssysteme nutzen, die aber andererseits so tun, als wären die Wissenschaftler, ohne die es all diese Technologien letztlich gar nicht gäbe, ein korrupter Haufen gewissenloser Betrüger. Und damit sind keineswegs die „Skeptiker“ gemeint, Skepsis ist die Grundlage aller Forschung, zusammen mit der Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen im Lichte widersprechender Evidenz jederzeit zu revidieren.

          Überall gibt es krude Thesen

          Es sind die „Wissenschaftsleugner“, deren Weltbild so festgefahren ist, dass es gegen jeden Widerspruch immun geworden ist, und die sich vorzugsweise daran erfreuen, die vermeintliche Gefährlichkeit von Impfungen, die menschliche Unschuld am Klimawandel oder auch die Falschheit evolutionärer Erklärungen zu verbreiten. In unserer heutigen Zeit allgemeiner Vernetzung gibt es kaum ein Entrinnen – ihre kruden Thesen finden sich überall und immer wieder.

          Für Freunde der Wissenschaft, typischerweise auch Liebhaber des zivilisierten Austauschs von Argumenten, ist das Zelebrieren des Kontrafaktischen schwer zu ertragen. Doch wie sollen sie sich in öffentlichen Diskussionen verhalten? Nichts sagen, weil dieser Kampf ohnehin nur zu verlieren ist? Den eigenen Standpunkt mit wissenschaftlichen Argumenten inhaltlich untermauern? Oder den Versuch wagen, die Scheinargumente des Leugners rhetorisch zu entzaubern? Philipp Schmid und Cornelia Betsch von der Universität Erfurt sind dieser Frage experimentell nachgegangen.

          Scheuen Sie keine Diskussion

          In sechs Online-Experimenten ließen sie Testpersonen zunächst an einem Interview mit einem Wissenschaftsleugner teilhaben, um sie daraufhin entweder einer inhaltlichen Gegenrede, einer Kritik der argumentativen Technik des Leugners oder einer Kombination aus beidem durch einen Wissenschaftsbefürworter auszusetzen. Auch die Variante ohne Gegenrede wurde realisiert und alle Szenarien bezüglich deren Wirkung auf die themenbezogene Einstellung der Teilnehmer geprüft. Das in „Nature Human Behaviour“ veröffentlichte Ergebnis lautet: Alles ist besser, als dem Leugner das Feld zu überlassen. Die gewählte Strategie ist dabei sekundär. Für gewissenhafte Leser dieser Wissenschaftsseiten ist der Auftrag demnach klar: Schwärmen Sie aus und scheuen Sie keine Diskussionen!

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