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Zum Tod Stephen Hawkings : Geist ohne Grenze

Wenn Schwarze Löcher Materie schlucken, führt das zu spektakulären Szenen, hier künstlerisch illustriert. Dass sie auch von sich aus Strahlung aussenden, wissen wir von Stephen Hawking. Bild: JPL-Caltech/Nasa

Genie, Ikone, Weltdeuter: Stephen Hawking war der berühmteste Gelehrte unserer Zeit. Mit seiner Kosmologie hat der Physiker neue Horizonte des Wissens erschlossen. Sein Tod fällt auf den Geburtstag von Albert Einstein.

          Was kann es Größeres geben als die Fragen nach dem Ursprung unserer Welt, nach der Beschaffenheit unseres Universums und unserem Platz darin? Und was vermag uns mehr Ehrfurcht einzuflößen als die Tatsache, dass wir Menschen diesen Fragen mit unserem beschränkten Geist als kosmisch höchst irrelevant erscheinende, kurzlebige Wesen heute so erstaunlich erfolgreich begegnen können? Es gibt wohl keinen Physiker, der für diesen Triumph menschlicher Erkenntniskraft mehr steht als Stephen Hawking, diesen seit Einstein bekanntesten und populärsten Theoretiker, dessen eigener jahrzehntelanger Kampf mit seinen körperlichen Leiden die Kraft und Wirksamkeit seines brillanten Geistes nie wesentlich beeinträchtigen konnte.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auch das, das trotzige Auflehnen gegen unsere menschlichen Unzulänglichkeiten und Beschränktheiten entgegen allen medizinischen Wahrscheinlichkeiten, mag zu Hawkings unbändigem Erfolg beigetragen haben, der ihn nicht nur zum vielfachen Bestsellerautor gemacht hat, sondern ihn als Prototyp des vergeistigten theoretischen Physikers zu einer Ikone der Populärkultur werden ließ.

          Das entscheidende Fundament seiner Bekanntheit

          Das entscheidende Fundament seiner Bekanntheit sind indes seine wegweisenden Arbeiten im Gebiet der theoretischen Kosmologie. Hawking, der am 8. Januar 1942 im britischen Oxford geboren worden war, hatte sein Studium der Physik an der Universität Oxford begonnen und war zur Promotion an die Universität Cambridge gewechselt. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit den Eigenschaften des expandierenden Universums. Dieses Modell, dem gemäß das Universum sich immer weiter ausdehnt wie ein aufgehender Hefeteig, enthält die Vorstellung, dass die Zeit mit einem Urknall begann. Die Eigenschaften des Urknalls erscheinen allerdings überaus rätselhaft: Das Universum sollte seinen Anfang gemäß den Gleichungen der Einsteinschen Relativitätstheorie in einem unendlich dichten, unendlich gekrümmten Zustand gehabt haben, der sich jeder theoretischen Beschreibung entzieht. Mathematisch äußert sich dies darin, dass die kosmologischen Theorien auf eine Singularität stoßen, einen Zustand, bei dem alle Definitionen ins Leere laufen. Was vor dem Urknall war – die von Laien wohl meistgestellte Frage der Kosmologie –, kann in dieser Vorstellung einfach und doch unbefriedigend abgehandelt werden: Wissenschaftlich kann man darüber nichts sagen, denn kein mögliches Ereignis vor dem Urknall könnte für uns Konsequenzen haben.

          Stephen Hawking (1942 bis 2018) verfolgte die Grundfragen unserer Existenz.

          Die Überlegung, ob die Existenz eines solchen Urknalls theoretisch zwingend ist, war der Aspekt, für den Hawking sich zunächst interessierte. Die Frage hatte ihn gegen Ende seines Studiums gepackt, angeregt durch Arbeiten des britischen Physikers und Mathematikers Roger Penrose, der sich mit raumzeitlichen Singularitäten kleineren Maßstabs beschäftigt hatte – sogenannten Schwarzen Löchern. Zu diesem Zeitpunkt war Hawking bereits die Motoneuronen-Erkrankung ALS diagnostiziert worden. Die 1963 gestellte Diagnose hatte ihm nur noch ein bis zwei Jahre Lebenszeit prognostiziert. Zwei Jahre später hatte sich sein Zustand aber als wesentlich stabiler herausgestellt als erwartet, so dass er, motiviert auch durch seine Verlobung mit der Linguistikstudentin Jane Wilde, seine Arbeit wiederaufnahm. Als Teil seiner 1966 bei Dennis Sciama abgeschlossenen Doktorarbeit konnte er daraufhin auf der Grundlage der Vorarbeiten von Roger Penrose zeigen, dass es einen Urknall gegeben haben muss – zumindest, wenn man von der Gültigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie ausgeht

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