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Zukunftslabor Lindau : Die Logik der Gentechnik

  • -Aktualisiert am

Im Labor wird weiter an vielen neuen genveränderten Pflanzen gearbeitet. Bild: dpa

Eine Initiative für die grüne Gentechnik beschäftigte die Nobelpreisträgertagung in Lindau: Es geht vor allem um Welternährung. Wird das einhellige Werben am Ende honoriert?

          Stand in den vergangenen Jahren der Klimawandel als ultimative globale Herausforderung der Menschheit immer wieder im Fokus der Nobelpreisträgertagung, ist es diesmal eine großtechnische Entwicklung, die das Leben und insbesondere die Ernährung von Milliarden Menschen beeinflussen dürfte: die Gentechnik. Auch bei ihr geht es um die Logik und Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. In der öffentlichen Debatte insbesondere über die grüne Gentechnik hatten wissenschaftliche Fakten seit jeher einen schweren Stand gehabt. Statt zu akzeptieren, was von unabhängiger Hand bestätigt worden ist, dominierten meist Emotionen und dogmatische Zuspitzungen. Dabei sind die Fakten zugunsten der grünen Gentechnik erdrückend.

          In den zwanzig Jahren des kommerziellen Anbaus sind keine Gentechnik-inhärenten Risiken für Mensch und Natur bekanntgeworden. Den Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge wachsen gentechnisch veränderte Pflanzen auf circa 185 Millionen Hektar Anbaufläche. Der Anteil gentechnisch veränderter Sojabohnen am Weltmarkt liegt bei rund 80 Prozent. Hunderte Millionen Menschen haben diese Pflanzen oder Produkte daraus gegessen und unzähligen Tieren dienten sie als Futterzusatz. Es gibt keinen einzigen bestätigten Fall, dass Menschen oder Tiere durch den Konsum gentechnisch veränderter Pflanzen oder ihrer Erzeugnisse gesundheitlich geschädigt worden sind. Miguel Sánchez von der Organisation ChileBio in Santiago und Wayne Parrott von der Universität Georgia im amerikanischen Athens haben dies im vergangenen Jahr noch einmal durch die Sichtung der veröffentlichten Studien bestätigt. Auch die Wissenschaftsakademien und Behörden weltweit, etwa die amerikanische National Academies of Sciences, Engineering and Medicine oder die Royal Society in London, bescheinigen den klassischen gentechnisch veränderten Pflanzen eine hohe Sicherheit für Mensch und Natur.

          Wird die Gesellschaft doch noch irgendwann gentechnisch verändertes Saatgut  akzeptieren?

          Trotzdem stemmen sich die Gegner weiterhin gegen Gentechnik in Pflanzen, allerdings akzeptieren sie diese in der Medizin. In der Bundesrepublik sind fast zweihundert gentechnisch hergestellte Wirkstoffe zugelassen, darunter so omnipräsente Produkte wie humanes Insulin oder Therapeutika gegen Krebs.

          Der Nobelpreisträger Sir Richard Roberts hat dieses Messen mit zweierlei Maß und das Ignorieren der Fakten durch die Gentechnik-Gegner immer wieder angeprangert und sich vor zwei Jahren zusammen mit 129 weiteren Laureaten an die Vereinten Nationen, die Regierungen der Welt und Greenpeace gewandt. Die Nobelpreisträger forderten in ihrem Brief Greenpeace explizit auf, die Kampagnen gegen die grüne Gentechnik im Allgemeinen und gegen den „Goldenen Reis“ im Besonderen einzustellen und anzuerkennen, dass sie die Risiken der grünen Gentechnik über- und ihren Nutzen unterschätzt haben. Der Goldene Reis ist eine gentechnisch veränderte Pflanze, die Beta-Carotin produziert, eine Vorstufe von Vitamin A. Der Mangel an Vitamin A kann zur Erblindung führen und schwächt das Immunsystem. Die WHO schätzt, dass weltweit 250 Millionen Menschen an dieser Mangelerscheinung leiden. In den Entwicklungsländern erblinden rund 500 000 Kinder jährlich. Die Hälfte dieser Kinder stirbt im ersten Jahr nach dem Verlust ihres Augenlichts. Eine Schale Goldener Reis könnte ihren täglichen Vitamin-A-Bedarf decken. Der Brief der Nobelpreisträger gipfelte in dem Satz: „Wie viele Arme müssen auf der Welt sterben, bevor wir dies als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrachten?“

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