https://www.faz.net/-gwz-716cx

Kreativität in der Wissenschaft : Kann man dem Forscherglück nachhelfen?

  • -Aktualisiert am

So stellen sich die Cern-Physiker die Teilchenkollision vor Bild: Cern

Es gibt kein Patentrezept für Durchbrüche. Was bringt dann den Erfolg? Auf diese von Nachwuchsforschern häufig gestellte Frage gibt es viele Antworten.

          6 Min.

          Wenn Nachwuchsforscher auf Nobelpreisträger treffen, ist eine häufig gestellte Frage diejenige nach dem Rezept für den Erfolg. Wie stellt man es an, einen Nobelpreis zu bekommen? Auf solch hoffnungsvolle Fragen folgen zumeist jedoch ernüchternde Antworten. Es gibt kein Rezept für wissenschaftliche Durchbrüche, so erfährt man von Geehrten. Hilfreich sind Leidenschaft und Spaß an der Arbeit. Dass das nicht alles sein kann, scheint offensichtlich. Weiter fragend, stößt man tatsächlich auf eine äußerst unberechenbare Zusatz-Zutat wissenschaftlichen Erfolgs. „Glück ist sehr wichtig, es sei denn man ist sehr, sehr schlau. Und die meisten von uns sind das nicht. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und gute Arbeit machen“, berichtet Brian Schmidt, einer der Physik-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres. Historische Beispiele von Wissenschaftlern, die demgemäß zur rechten Zeit am rechten Ort für eine spektakuläre Entdeckung waren, gibt es viele. Wie Röntgen mit seiner Entdeckung einer durchdringenden Strahlung, die 1901 als erste mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.

          Interessant wird es, wenn man fragt, warum Röntgen und nicht seine Vorgänger oder Zeitgenossen, die ebenfalls mit Kathodenstrahlröhren experimentierten, der unbekannten Strahlung auf die Spur kamen. Die Röhren waren wegen ihrer vielfältigen Leuchterscheinungen außerordentlich beliebt und wurden zuerst in England und dann in Deutschland für Schauexperimente verwendet. Röntgen aber umhüllte seine Gasentladungsröhre mit undurchsichtigem schwarzem Karton, um alles auszublenden, was nichts mit seiner Fragestellung zu tun hatte. Und da erst kam ihm der Zufall oder das Glück zu Hilfe; möglicherweise, als er sah, dass ein in der Nähe der Röhre plazierter Leuchtschirm aufblitzte; er hielt verwundert seine Hand davor und sah den Schatten seiner Knochen. Der Würzburger Physiker ist ein typisches Beispiel dafür, dass der Zufall dem hilft, der auf ihn vorbereitet ist. Will sagen: Nur wer seine Apparatur genau kennt und weiß, welche Ergebnisse bei einer exakt formulierten Hypothese zu erwarten sind, wird auf das Neue und Unerwartete aufmerksam.

          Ein aktuelleres Beispiel wäre die Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts durch Klaus von Klitzing - auch wieder in einer Nacht, dieses Mal vom 5. Februar 1980. Der Nachwuchswissenschaftler untersuchte die Leitfähigkeit dünner Halbleiterschichten bei extrem tiefen Temperaturen und mit den damals höchsten, in einem europäischen Labor erzeugbaren Magnetfeldern. Bereits zehn Jahre zuvor hatte es Hinweise darauf gegeben, dass der Hall-Widerstand, der durch die Ablenkung der Elektronen in einem äußeren Magnetfeld entsteht, in solchen Systemen mit zunehmendem Magnetfeld nicht kontinuierlich variiert, sondern stufenweise, also in Quantensprüngen. Aber selbst von Klitzing war überrascht, dass sich dies ausgerechnet in einem so komplexen physikalischen System wie dem Halbleiter mit hoher Genauigkeit messen ließ.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?
          Wer suchte den Kontakt zum Gesundheitsminister? Jens Spahn vergangene Woche im Bundestag

          Konsequenzen aus Masken-Affäre : Ein Kodex und Spahns heikle Liste

          Mit Verhaltensregeln und einem „Sanktionsregime“ will die Unionsfraktion auf die Vorwürfe gegen Nikolas Löbel und Georg Nüßlein reagieren. Für Unruhe könnte eine Ankündigung des Gesundheitsministers sorgen.
          Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview.

          Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

          Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.
          Streitbarer Genosse: Wolfgang Thierse

          Streit über Thierse-Beitrag : Wie „verqueer“ ist die SPD?

          Im Streit über einen F.A.Z. Beitrag von Wolfgang Thierse zur Identitätspolitik hat die SPD-Vorsitzende versagt. In normalen Zeiten hätte eine souveräne Parteiführung zu einer Debatte auf neutralem Boden eingeladen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.