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Kreativität in der Wissenschaft : Kann man dem Forscherglück nachhelfen?

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So stellen sich die Cern-Physiker die Teilchenkollision vor Bild: Cern

Es gibt kein Patentrezept für Durchbrüche. Was bringt dann den Erfolg? Auf diese von Nachwuchsforschern häufig gestellte Frage gibt es viele Antworten.

          Wenn Nachwuchsforscher auf Nobelpreisträger treffen, ist eine häufig gestellte Frage diejenige nach dem Rezept für den Erfolg. Wie stellt man es an, einen Nobelpreis zu bekommen? Auf solch hoffnungsvolle Fragen folgen zumeist jedoch ernüchternde Antworten. Es gibt kein Rezept für wissenschaftliche Durchbrüche, so erfährt man von Geehrten. Hilfreich sind Leidenschaft und Spaß an der Arbeit. Dass das nicht alles sein kann, scheint offensichtlich. Weiter fragend, stößt man tatsächlich auf eine äußerst unberechenbare Zusatz-Zutat wissenschaftlichen Erfolgs. „Glück ist sehr wichtig, es sei denn man ist sehr, sehr schlau. Und die meisten von uns sind das nicht. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und gute Arbeit machen“, berichtet Brian Schmidt, einer der Physik-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres. Historische Beispiele von Wissenschaftlern, die demgemäß zur rechten Zeit am rechten Ort für eine spektakuläre Entdeckung waren, gibt es viele. Wie Röntgen mit seiner Entdeckung einer durchdringenden Strahlung, die 1901 als erste mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.

          Interessant wird es, wenn man fragt, warum Röntgen und nicht seine Vorgänger oder Zeitgenossen, die ebenfalls mit Kathodenstrahlröhren experimentierten, der unbekannten Strahlung auf die Spur kamen. Die Röhren waren wegen ihrer vielfältigen Leuchterscheinungen außerordentlich beliebt und wurden zuerst in England und dann in Deutschland für Schauexperimente verwendet. Röntgen aber umhüllte seine Gasentladungsröhre mit undurchsichtigem schwarzem Karton, um alles auszublenden, was nichts mit seiner Fragestellung zu tun hatte. Und da erst kam ihm der Zufall oder das Glück zu Hilfe; möglicherweise, als er sah, dass ein in der Nähe der Röhre plazierter Leuchtschirm aufblitzte; er hielt verwundert seine Hand davor und sah den Schatten seiner Knochen. Der Würzburger Physiker ist ein typisches Beispiel dafür, dass der Zufall dem hilft, der auf ihn vorbereitet ist. Will sagen: Nur wer seine Apparatur genau kennt und weiß, welche Ergebnisse bei einer exakt formulierten Hypothese zu erwarten sind, wird auf das Neue und Unerwartete aufmerksam.

          Ein aktuelleres Beispiel wäre die Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts durch Klaus von Klitzing - auch wieder in einer Nacht, dieses Mal vom 5. Februar 1980. Der Nachwuchswissenschaftler untersuchte die Leitfähigkeit dünner Halbleiterschichten bei extrem tiefen Temperaturen und mit den damals höchsten, in einem europäischen Labor erzeugbaren Magnetfeldern. Bereits zehn Jahre zuvor hatte es Hinweise darauf gegeben, dass der Hall-Widerstand, der durch die Ablenkung der Elektronen in einem äußeren Magnetfeld entsteht, in solchen Systemen mit zunehmendem Magnetfeld nicht kontinuierlich variiert, sondern stufenweise, also in Quantensprüngen. Aber selbst von Klitzing war überrascht, dass sich dies ausgerechnet in einem so komplexen physikalischen System wie dem Halbleiter mit hoher Genauigkeit messen ließ.

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