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Gesund bleiben : Zu viel Sitzen ist noch kein Todesurteil!

Labormaus auf der Couch. Wo steht der Fernseher? Bild: Steinberg/PNAS

Sitzen ist das neue Rauchen? Das darf bezweifelt werden. Sitzen ist nämlich nicht gleich sitzen. Wie man darauf gekommen ist? Die Amerikaner haben nachgezählt.

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          In den Echoräumen, die sich mit den Zivilisationskranken beschäftigen, also uns allen, hat ein Satz schon Kultstatus: Sitzen ist das neue Rauchen. So ein Satz brennt sich schnell ins Gedächtnis, genau wie der Satz: Wir sind Papst. Papst sind wir seit geraumer Zeit nicht mehr, und man muss leider festhalten: Auch das Sitzen ist nicht mehr das, was es womöglich noch war, als die gutgemeinte Formel in die Welt gesetzt wurde. Medizinisch betrachtet müssen wir heute nämlich gesundes von riskantem Sitzen unterscheiden, oder etwas plastischer gesprochen: Sportsitzen auf der einen und Kranksitzen auf der anderen Seite. Wir haben die Wahl.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch der Reihe nach, denn der Befund steht noch auf tönernen Füßen. Sportsitzen, das haben Herzspezialisten nach Auswertung der „Jackson Heart Study“ nahegelegt, ist eine Spezialität des weißen Mannes. Sportsitzen ist, wenn brave Menschen arbeiten gehen und – obwohl sie stundenlang am Schreibtisch sitzen – sich immer wieder ein Herz fassen, aufstehen, zum Kopierer laufen, Kaffee holen und Kontakte zu den Kollegen pflegen.

          Zu Hause sitzen und stundenlang in die Glotze starren

          Wer so sein tägliches Sitzes gestaltet, muss nichts befürchten. Der braucht kein Stehpult, der kann sogar auf sein anstrengendes Workout verzichten. Das passt ganz gut zu dem mittlerweile international manifesten Trend, den Zeit- und Energiebedarf für gesunden Sport immer weiter nach unten zu korrigieren. Ganz anders soll sich die Sitzfrage für alle anderen darstellen, die lieber zu Hause sitzen und stundenlang in die Glotze starren. Für diesen Teil der Bevölkerung, und hier wird es sehr amerikanisch, fühlen sich die Jackson-Forscher in erster Linie zuständig, weil ihre Studienteilnehmer nämlich ausnahmslos keine weiße, sondern schwarze Hautfarbe haben.

          Ein paar tausend Erwachsene haben die Herzspezialisten für eine der größten Bevölkerungsstudien mit Amerikanern afroamerikanischen Ursprungs rekrutiert. In ihrem Paper im Fachmagazin „Jama“ der amerikanischen Medizingesellschaft, haben sie nun dreihundert kardiologische Zwischen- und Todesfälle ausgewertet. Ihr Fazit muss man so zusammenfassen: Dunkelhäutige Amerikaner sterben im Schnitt heute fünf Jahre früher, weil sie sich kranksitzen. Die Zahl derer unter ihnen, die stundenlang im Sessel lümmeln und fernsehen („Schwarze sehen nach eigener Auskunft 20 bis 30 Prozent mehr fern als Weiße“), die sich dabei auch noch ihre Fettpolster massenhaft mit Knabberzeug und Alkohol aufstocken, sei unverhältnismäßig groß. Bei solcher Lektüre fällt es schwer, ruhig sitzen zu bleiben.

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