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XXL-Biene und Schildkröte : Wie kann man diese Riesen übersehen?

  • Aktualisiert am

Sechs Zentimeter: die Riesenbiene aus Indonesien. Bild: AFP

Verschollen, ausgestorben – für XXL-Tiere ist das nichts Ungewöhnliches. Die Evolution meint es selten lange gut mit ihnen, und auch der Mensch nicht. Zwei wilde Riesen sind jetzt wiederentdeckt worden.

          Schwarz, groß wie ein menschlicher Daumen und mit furchteinflßenden Mandibeln am Kiefer ausgerüstet: Die Wallace-Riesenbiene ist nach Jahrzehnten erstmals wieder gesichtet worden. Forscher um  Simon Robson vond er University of Sidney verkündeten am Donnerstag, sie hätten Exemplare der größten Bienenart der Welt auf einer entlegenen indonesischen Insel entdeckt. Es sei „einfach unglaublich“ gewesen, „tatsächlich zu sehen, wie schön und groß diese Art ist, das Geräusch ihrer riesigen Flügel zu hören“, erklärte Bienenfotograf Clay Bolt in einer Mitteilung der Umweltschutzorganisation Global Wildlife Conservation (GWC).

          Die Bienenart war im 19. Jahrhundert vom britischen Naturforscher Alfred Russel Wallace entdeckt und laut GWC zuletzt 1981 in freier Wildbahn gesichtet worden. Bolt fand nun einen Bienenstock auf einer Insel der nördlichen Molukken. „Mein Traum ist es jetzt, diese Biene zu einem Symbol des Umweltschutzes in diesem Teil Indonesiens zu machen“, sagte der Fotograf.

          Entomologe Eli Wyman mit einem Exemplar der wiederentdeckten Bienenart.

          Die Biene mit dem lateinischen Namen Megachile pluto ist rund vier Mal so groß wie eine Honigbiene. Bienenexperte Eli Wyman von der Universität Princeton hofft, dass der Fund weitere Forschung anstößt, „die uns ein besseres Verständnis für die Lebensgeschichte dieser sehr einzigartigen Biene gibt“ und sie vom Aussterben schützt.

          Auf der roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird die Riesenbiene als „gefährdet“ geführt.

          Fernandina-Riesenschildkröte seit 1906 verschollen

          Auf der Galápagos-Insel Fernandina ist eine ebenfalls als ausgestorben geglaubte Schildkröte gefunden worden. Eine Expedition von Naturschützern und der Galápagos-Parkbehörde hätten ein Weibchen der Unterart Chelonoidis nigra phantasticus entdeckt, twitterte Ecuadors Umweltminister Marcelo Mata am Dienstagabend (Ortszeit). Dazu veröffentlichte er Fotos des Exemplars. Zuletzt war eines der Tiere, die wegen ihres ausschließlichen Vorkommens auf jener Galápagos-Insel auch Fernandina-Riesenschildkröten genannt werden, im Jahr 1906 nachgewiesen worden.

          Zoologe Forrest Galante mit der Fernandina-Riesenschildkröte.

          Weil es danach keine eindeutigen Lebenszeichen mehr gab, wurde befürchtet, dass die Riesenschildkröte ausgestorben ist. Wissenschaftler gingen davon aus, dass Vulkanausbrüche die Unterart auslöschten. Einzelne Funde von Kot, Biss-Markierungen und Fußspuren sowie unbestätigte Sichtungen hatten die Weltnaturschutzunion IUCN aber vermuten lassen, dass es vielleicht doch noch einige Fernandina-Riesenschildkröten geben könnte.

          Chelonoidis nigra phantasticus inbegriffen werden mehr als zehn Unterarten von Galápagos-Schildkröten aufgeführt, die vielfach nur auf je einer der größeren Inseln des Archipels vorkommen, das seit 1979 zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Eine Riesenschildkröte wurde als „Lonesome George“ weltbekannt, als sie 1971 auf der Insel Pinta entdeckt wurde. George starb 2012 rund 90-jährig als letzter seiner Unterart - Paarungsversuche mit Weibchen einer verwandten Unterart waren gescheitert.

          Auf den abgelegenen Galápagos-Inseln vor Ecuador hat sich eine ganz besondere Flora und Fauna entwickelt. Zu den nur dort vorkommenden Arten zählen auch Meerechsen, Landleguane und Galápagosfinken. 1835 besuchte Charles Darwin die Inseln. Seine Theorie von der Entstehung der Arten erhielt dort viele Denkanstöße.

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