https://www.faz.net/aktuell/wissen/world-health-summit-in-berlin-who-skizziert-globales-daten-netzwerk-17602438.html

Ein globales Daten-Netzwerk? : Der Gipfel der Gesundheitsutopie

Im Impfzentrum: Was wollen wir tun für die Gesundheit? Bild: dpa

Überwachungswahn oder globales Datenglück: Auf dem Berliner World Health Summit skizziert die WHO ihre Vision einer Gesundheitsrevolution von unten. Wer geht voran?

          2 Min.

          Die Ideologie der Weltverbesserung durch Big Data heißt Solutionismus, und sie hat es jenseits von Silicon Valley nicht weit gebracht. Bis zu Beginn der Woche, als auf dem World Health Summit (WHS) in Berlin die mauritianische Datenspezialistin und Politikberaterin Drudeisha Madhub das kürzlich eröffnete „Informationsökosystem“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Blick genommen und die Pandemie als potentielle „Waffe zur Massenüberwachung“ diskutiert hat. Da war es wieder, frisch wachgerüttelt: das Schreckgespenst der Datensammler, die mit ihren Algorithmen und Sensoren die Welt aussaugen und den Glauben an die Gunst des gläsernen Menschen unbekümmert hochhalten.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ganz so düster gemeint war das natürlich nicht. Nicht in der Runde. Es war eine Mahnung. Denn die WHO genießt auf dem vor zwölf Jahren gegründeten Berliner Weltgesundheitsgipfel eine Art Artenschutz. Deutschland ist inzwischen größter Sponsor der UN-Organisation. In das Berliner „WHO-Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence“ steckt die Bundesregierung allein jährlich dreißig Millionen Euro, und schon das ist für WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ein naheliegender Grund, von der deutschen Hauptstadt aus die Welt auf eine neue Ära der Gesundheitsvorsorge einzuschwören. Mit Künstlicher Intelligenz und weltumspannenden Datennetzwerken soll künftig verhindert werden, was in dieser Woche so viele Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler nach Berlin – oder wenigstens zur Onlineübertragung der Konferenz an den Computer – getrieben hat: weitere Gesundheitskatastrophen vom Zuschnitt der Covid-19-Pandemie.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Nach der Asow-Kapitulation : In Putins Fängen

          Die letzten Verteidiger von Mariupol haben sich ergeben. Daraus kann Putin einen Propagandasieg über die „Nazis“ machen. Es zeigt sich, was passiert, wenn man der „Emma“-Losung folgt, der Ukraine keine schweren Waffen zu geben.
          Glänzende Aussichten: Im dritten Anlauf kann RB Leipzig seinen Fans zum ersten Mal den Pokal präsentieren – ein Erfolg, der auch eine Leerstelle in der deutschen Fußballlandschaft füllt.

          Berliner Pokalfinale : Wir gegen Die

          Moralisierung, Abgrenzung und für manchen sogar „Hass“: Nach dem Leipziger Pokal-Triumph gegen Freiburg sind die Gräben im deutschen Fußball noch ein bisschen tiefer.
          2019 erst eröffnete Apple ein neues Bürogebäude in Cupertino. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter des Unternehmens lieber vom heimischen Schreibtisch aus.

          Homeoffice im Silicon Valley : Apple und der Homeoffice-Knatsch

          Die amerikanischen Tech-Konzerne gelten als Traum-Arbeitgeber. Aber jetzt stehen viele schicke Büros leer. Ist Anwesenheitspflicht die Lösung? Vor allem bei Apple gibt es nun deshalb richtig Knatsch.
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung in der Organisations- psychologie
          Sprachkurse
          Lernen Sie Italienisch
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden