Vorher das Hirn eikljutschae, dann erst zammeschreiwe
In Zyklen beschreiben lässt sich nicht nur die Historie im Allgemeinen, sondern auch vieles, was die Geschichte der Sprache betrifft. Auf den Aufstieg folgt eine zuweilen lange Blüte, ehe sich Niedergang und Zerfall einstellen. Wann die Geschichte der russlanddeutschen Dialekte beginnt, lässt sich ebenso klar bestimmen wie der Zeitpunkt ihres folgenreichsten Umbruchs, den man als Beginn des Niedergangs markieren mag: 1763 wanderten die ersten Deutschen nach Russland aus. Stalins Zwangsumsiedlung der Wolgadeutschen, die eine eigene Sowjetrepublik bewohnten, und anderer im europäischen Teil der Sowjetunion lebender Deutschstämmiger nach Sibirien und Kasachstan vor genau siebzig Jahren sorgte dann auch in verbaler Hinsicht für erhebliche Verwerfungen.