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: Schwarze Legende eines Mäzens

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Dem reichen Mäzen ist normalerweise die Gunst der Nachwelt gewiss. Er hat ja nicht nur die Mittel, Kunst in Auftrag zu geben; sein Geld erlaubt es ihm auch, Lobredner zu bezahlen, die dafür sorgen, dass sein Ruhm durch die Jahrhunderte klingt. Maecenas hatte Vergil und Horaz als Panegyriker, Cosimo de' Medici seinen schreibenden Buchhändler Vespasiano da Bisticci.

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          Dem reichen Mäzen ist normalerweise die Gunst der Nachwelt gewiss. Er hat ja nicht nur die Mittel, Kunst in Auftrag zu geben; sein Geld erlaubt es ihm auch, Lobredner zu bezahlen, die dafür sorgen, dass sein Ruhm durch die Jahrhunderte klingt. Maecenas hatte Vergil und Horaz als Panegyriker, Cosimo de' Medici seinen schreibenden Buchhändler Vespasiano da Bisticci. Die Fama des Großmäzens Ludwig XIV. trompeten ganze Heerscharen in die Welt.

          Der Engländer James Brydges, erster Herzog von Chandos, gilt dagegen als wahrer Unglücksrabe unter den Kunstauftraggebern. Schon zu seiner Zeit, im achtzehnten Jahrhundert, galt er als ein Mann von erlesen schlechtem Geschmack. Dr. Samuel Johnson verurteilte ihn als "nicht informiert und unsicher", Horace Walpole urteilte, Brydges Landsitz Cannons habe schon immer den großen Maßstab für schlechten Geschmack abgegeben. Noch eine Autorität wie Rudolf Wittkower meinte, für künstlerische Probleme habe Brydges kein wirkliches Verständnis gehabt.

          Nun hat sich die Kunsthistorikerin Susan Jenkins des Herzogs angenommen. (Portrait of a Patron. The Patronage and Collecting of James Brydges, 1st Duke of Chandos, 1674-1744, Aldershot 2007). Ihre sorgfältig recherchierte Biographie vermittelt ein differenziertes Bild seiner Patronage und zeichnet die Umstände nach, die zur Konstruktion der "schwarzen Legende" um den Herzog führten, der nun zu guter Letzt doch noch eine Agentin seines Nachruhms gefunden hat.

          Der 1674 geborene James Brydges entstammte einer mäßig begüterten Familie der Gentry, des niederen Adels Herefordshires. Nichts sprach dafür, dass es dieser schlichte Landlord dereinst zu einem der reichsten Männer Englands bringen würde. Er sitzt für die Torys im Unterhaus als Hinterbänkler, der kaum durch besonderes Engagement auffällt. Gewöhnlich votiert er im Sinne des Hofes und der eigenen Karriere. So macht er sich auch bei der Gegenpartei, den Whigs, beliebt. Als Mitglied der Royal Society pflegt er nach Art seines Standes naturwissenschaftliche und technische Interessen. 1713 heiratet er in zweiter Ehe seine Cousine, Lady Willoughby. Sie ist vier Jahre älter als der Bräutigam, hört auf einen entsetzlichen Vornamen, Cassandra, ist aber kultiviert, sammelt Kunst und Kuriosa, dilettiert als Malerin und hat Geld. Wahrscheinlich ist sie es, die Brydges Leidenschaft für die Künste anfacht.

          Der Gatte war schon damals ein schwerreicher Mann. Den Zugriff zum ganz großen Geld hatte der Baron zwei einflussreichen Patronen zu verdanken: dem Lord-Schatzkanzler Sidney Godolphin und John Churchill, Herzog von Marlborough, dem leitenden Minister und Oberkommandierenden der britischen Armee, die auf dem Kontinent im Spanischen Erbfolgekrieg kämpft. Letzterer sorgt dafür, dass Brydges zum "Generalzahlmeister der Streitkräfte im Ausland" ernannt wird. Das kommt einer Erlaubnis zum Gelddrucken gleich. Nun gehen viele Millionen durch seine Hände, nicht wenig davon bleibt daran kleben. Brydges nimmt Provisionen, engagiert sich in Spekulationsgeschäften. So häuft er ein ungeheures Vermögen an, kaum auf ganz legale Weise. Beim Sturz des Ministeriums Godolphin-Marlborough, 1710, droht ihm die Einkerkerung im Tower. Doch kann er den Kopf aus der Schlinge ziehen. Bei Kriegsende scheidet er als freier Mann aus dem Amt. Das erbeutete Geld investiert er in Aktien und Kunst.

          In den folgenden Jahren webt Brydges unter Einsatz beträchtlicher Geldmittel eifrig an neuen politischen Netzwerken. Zu politischem Einfluss gelangt er aber nicht mehr. Wie anderen Torys bleibt ihm allein die Macht auf lokaler Ebene. Immerhin bedenkt ihn Georg I. mit wohlklingenden Titeln, der Höhepunkt ist die Ernennung zum Duke of Chandos im April 1719.

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