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: Opfer der Selektion

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Wer wissen will, warum dieses Jahrhundert gelegentlich als das Jahrhundert der Biologie - nach dem der Physik - bezeichnet wird, findet in dem Buch des belgischen Nobelpreisträgers und Zellforschers Christian de Duve einiges Anschauungsmaterial. "Die Genetik der Ursünde" handelt davon, warum der ...

          Wer wissen will, warum dieses Jahrhundert gelegentlich als das Jahrhundert der Biologie - nach dem der Physik - bezeichnet wird, findet in dem Buch des belgischen Nobelpreisträgers und Zellforschers Christian de Duve einiges Anschauungsmaterial. "Die Genetik der Ursünde" handelt davon, warum der Mensch zu dem dominanten Wesen auf der Erde geworden ist, wie heute oft beklagt wird. Völlig zu Recht, meint de Duve, denn der evolutionäre Erfolg habe seinen Preis: Überbevölkerung, Kriege, Ausbeutung, Umweltzerstörung. Motor dieser Entwicklung sind nach Überzeugung de Duves aber keineswegs allein soziale Prozesse, Antrieb ist nach wie vor die natürliche Selektion. Sie formt unser Denken und Treiben bis zum heutigen Tag. Dafür bietet der Biologe nicht nur - durchaus diskutable - Erklärungsversuche an, er versucht sich in seinem wichtigsten Teil auch an möglichen Lösungen. Seine sieben "Optionen", zu denen der "Rückgriff auf die Religionen" ebenso zählt wie "unsere Gene verbessern" und "das Gehirn neu verdrahten", mögen in der hier nur knapp skizzierten Weise der Größe der Aufgaben für die Menschheit nicht gerecht werden. Diskussionsstoff bietet der durchweg verständlich gehaltene Text allemal.

          jom

          Christian de Duve: "Die Genetik der Ursünde". Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, 20 S., 17,95 Euro.

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