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: Islam und Scharia in Afrika: Mehr als Sklaverei

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In seiner im vergangenen Jahr erschienenen provokanten "Weltgeschichte der Sklaverei" deutet Egon Flaig die Welt des Islam als das "größte und langlebigste sklavistische System" der Geschichte. Allerdings neigt der Rostocker Althistoriker dazu, die Komplexität der islamischen Sklaverei zu ignorieren, wohl ...

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          In seiner im vergangenen Jahr erschienenen provokanten "Weltgeschichte der Sklaverei" deutet Egon Flaig die Welt des Islam als das "größte und langlebigste sklavistische System" der Geschichte. Allerdings neigt der Rostocker Althistoriker dazu, die Komplexität der islamischen Sklaverei zu ignorieren, wohl um sich nicht über Gebühr von seiner Grundthese vom erobernden Islam abbringen zu lassen. In Bezug auf den Islam in Afrika etwa hätte Flaig auf eine lange Forschungstradition zurückgreifen können.

          Gegenwärtig gehören Roman Loimeier (Göttingen) oder Stefan Reichmuth (Bochum) zu den auch international wahrgenommenen Vertretern in diesem Bereich. Ihre und zahlreiche weitere Studien konnten zeigen, dass sich auf dem afrikanischen Kontinent lokale Spielarten von Gemeinschaft und Gesellschaft entwickelten, die sich zwar allesamt am Islam orientierten, diesen aber sehr unterschiedlich deuteten. Vielfalt und Komplexität islamischer Gesellschaften charakterisieren nicht nur ihre historische Entwicklung, sondern sind auch prägend für ihr heutiges Erscheinungsbild. Die Globalisierung des Islam fördert keineswegs ausschließlich die Verbreitung radikaler, islamistischer Interpretationen in Afrika, sondern öffnet zugleich Muslimen in diesem Teil der Welt den Zugang zu einer Vielzahl von Diskussionen und Traditionslinien.

          Muslime spielten in Afrika eine zentrale Rolle in Sklavenhandel und Sklaverei. Es wäre jedoch falsch, sie ausschließlich auf diesen Bereich zu reduzieren. Im Übrigen ist es schwer, ein allgemeines Bild über die Haltung von Muslimen zu Unfreiheit und Handel mit Menschen zu zeichnen. Alle Deutungen der Scharia untersagen bekanntlich dem Gläubigen, andere Muslime zu versklaven. Die Gefangennahme und der Besitz von "Ungläubigen" war hingegen erlaubt. Mit der Zunahme des Sklavenhandels wirkte der Schutz, den eine muslimische Identität bot, als Anreiz zur Konversion, insbesondere in den Regionen, wo muslimische Händler Sklaven an die Europäer oder deren Zwischenhändler verkauften. Gelegentlich wurden auch muslimische Sklavenhändler Opfer der in vielen Teilen Afrikas eskalierenden Gewalt, ihrerseits an Europäer verkauft und über den Atlantik zwangsverschifft.

          Die mit Abstand beste Überblicksdarstellung, eine ebenso differenzierte wie kompakte Einführung in die Geschichte des Islam in Afrika hat vor einigen Jahren der amerikanische Historiker David Robinson veröffentlicht ("Muslim Societies in African History", Cambridge University Press, New York 2004) - ein Buch, das auch eine Übersetzung ins Deutsche verdienen würde. Mit diesem Werk habe, wie das "Journal of African History" konstatierte, "die historische Forschung zum Islam in Afrika ihre volle Reife erlangt". Robinson sieht in seiner Geschichte zwei sich überlappende Prozesse am Werk: die Islamisierung Afrikas und die Afrikanisierung des Islam. In diesem Zusammenhang lehnt er jedoch die in Teilen der Literatur verbreitete essentialistische Vorstellung von einem "afrikanischen Islam" ab, welcher vermeintlich weniger orthodox als der Islam in der arabischen Welt sei, dafür aber mit religiösen Praktiken verbunden, die durch afrikanische kommunalistische religiöse Konzepte geprägt sind. "Die meisten afrikanischen Muslime", schreibt Robinson, "haben sich immer als gottesfürchtig und korrekt in ihren Praktiken angesehen. Sie haben ihre eigenen ,Orthodoxien' herausgebildet. Ihre Geschichten sind wichtig für ein Verständnis der Vielfalt, aber auch des Strebens nach Einheit in der islamischen Welt. Sie stehen überdies für kulturelle Traditionen, die bei allen Unterschieden viel mit denen europäischer Gesellschaften gemein haben."

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