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: Die Legende eines Humanisten

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Robert Limpert wollte Orientalistik studieren, um Diplomat oder Gelehrter zu werden. Am 15. Juni 1925 in Ansbach geboren, besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt. Da er Lehrern, die Propaganda verbreiteten, im Unterricht widersprach, wurde er im Herbst 1943 von der Schule verwiesen, konnte aber an einem anderen Gymnasium das Abitur ablegen.

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          Robert Limpert wollte Orientalistik studieren, um Diplomat oder Gelehrter zu werden. Am 15. Juni 1925 in Ansbach geboren, besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt. Da er Lehrern, die Propaganda verbreiteten, im Unterricht widersprach, wurde er im Herbst 1943 von der Schule verwiesen, konnte aber an einem anderen Gymnasium das Abitur ablegen. Wegen einer Herzkrankheit wehruntauglich, plante er ein Studium im Ausland. Für das Sommersemester 1945 hatte er eine Zusage der Universität Fribourg in der Schweiz. Am 8. Februar 1945 machte der Neunzehnjährige sein Testament. Er verfügte über seine Bibliothek und legte seiner Familie seinen Leitspruch "Pietas, caritas, castitas" ans Herz. Ferner schrieb er: "Mein politisches Testament ist Euch mündlich bekannt." Dieses politische Vermächtnis war der unbedingte Kampf gegen den Nationalsozialismus.

          Zwischen dem 7. und dem 17. April druckte und verteilte Limpert drei Flugblätter, mit denen er die Ansbacher aufforderte, auf die Verteidigung der Stadt zu verzichten. Am 18. April, einem Mittwoch, wurde mit den Amerikanern gerechnet. Die Behörden waren abgezogen worden, die Wehrmacht entfernte sich, aber der am 27. März als "Kampfkommandant" eingesetzte Luftwaffen-Oberst Dr. Ernst Meyer war fest entschlossen, die Stadtbevölkerung befehlsgemäß in den Untergang zu treiben. Der Schüler Limpert ging in aller Frühe aufs Rathaus, um den in der Stadt verbliebenen dritten Bürgermeister Albert Böhm zur friedlichen Übergabe zu überreden. Böhm willigte ein, Limpert eilte davon, um die Nachricht zu verbreiten. Als der Kampfkommandant davon erfuhr, erschien er auf dem Rathaus und drohte den auf dem Marktplatz versammelten Ansbachern mit schärfsten Repressalien.

          Limpert entschloss sich, das Telefonkabel zu zerschneiden, das den Gefechtsstand des Kommandanten mit der Truppe verband. Diese Tat gelang ihm, aber er wusste nicht, dass die Kommandostelle in der Nacht zuvor verlegt worden war. Zwei Hitlerjungen beobachteten ihn und meldeten ihn der Polizei. Er wurde in seinem Elternhaus verhaftet, wo zwei der Flugblätter entdeckt wurden, und aufs Rathaus gebracht. Dort erschien erneut Oberst Meyer, der ein Standgericht einsetzte, aber keine Verhandlung abhalten ließ und selbst das Urteil sprach. Eigenhändig erhängte der Kampfkommandant den Schüler an einem Haken in der Rathausmauer.

          Als Meyer die Schlinge knüpfte, gelang Limpert zunächst die Flucht. Nach 75 Metern wurde er eingefangen. Meyer zerrte ihn an den Haaren zum Rathaus zurück. Im ersten Versuch riss der Strick. Der Oberst knüpfte eine zweite Schlinge. Als Limperts Tod eintrat, waren seit dem Eintreffen des Kommandanten auf dem Rathaus nicht mehr als fünfzehn Minuten vergangen. Am späten Nachmittag erschienen die Amerikaner auf dem Marktplatz und schnitten den Leichnam vom Haken.

          Drei Tage später wurde Robert Limpert begraben. Die Grabrede hielt der Geschichtslehrer des Ansbacher Gymnasiums, Dr. Karl Bosl. Am 28. September 1945, aus Anlass der Errichtung des Grabkreuzes, hielt Bosl eine zweite Totenrede auf Limpert. Ihr Text ist im Ansbacher Stadtarchiv erhalten. Der Redner sprach den Toten mit "Du" an: Am Leitfaden der Ideale von Frömmigkeit, Liebe und Keuschheit beschwor er den "höheren Sinn" dieses "Märtyrertodes" für den moralischen Wiederaufbau Deutschlands.

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