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Wissenschaft gegen Trump : Im Nahkampf

Das Kapitol in Washington – im Schatten eines Kohlekraftwerks Bild: dpa

Eine halbe Million Kritiken reichen nicht, die amerikanische Regierung will Umweltgesetze mit fadenscheinigen Gründen aushebeln. Was also gilt: Wissenschaft oder Willkür?

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          Für schlechte Politik, darauf bestehen die Sittenwächter im Kloster Besserwissen, ist die Wissenschaft nicht zuständig. Der Imperativ dazu geht so: Haltet euch raus! Das könnte man so stehen lassen, sogar in der Klima- und Gesundheitspolitik, wenn einerseits zu erkennen wäre, dass gebildete Positionen und wissenschaftliche Vernunft in den Parlamenten wenigstens halbwegs so stark repräsentiert wären wie die kruden Interessen des Lobbyismus. Und wenn zweitens umgekehrt gilt: Was gute Wissenschaft ist, bestimmt ganz bestimmt nicht die Politik.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Für Macht- und Klientelpolitiker ist das schwer zu ertragen, klar, wie der seit anderthalb Jahren schwelende Streit um die amerikanischen Umweltgesetze geradezu mustergültig zeigt. Der damalige Chef der Umweltbehörde EPA in Washington, ein ehemaliger Lobbyist der Energiewirtschaft, hatte verkündet, für die Festlegung von Grenzwerten etwa zur Luftreinhaltung neue „Transparenzregeln“ einzuführen. Die „Ära der Geheimwissenschaft“ müsse zu Ende gehen. Transparenz klingt immer gut, erst recht in den Ohren der Forscher. In dem Fall aber war die Forderung nach „absoluter Transparenz“ der euphemistische Versuch, bestimmte epidemiologische Studien vom Gesetzgebungsprozess auszuschließen, die ihre Daten zum Schutz der Privatsphäre und aus Gründen der Vertraulichkeit nicht öffentlich machen können – die allerdings zum Zwecke der Nachvollziehbarkeit bei den Fachzeitschriften für alle anderen Wissenschaftler eingesehen und geprüft werden können.

          Die Regierung Trump misstraut aber den großen Wissenschaftsverlagen zutiefst. Und ebenso den nationalen Akademien. Die sind kurz nach der Ankündigung der „Transparenz“-Initiative und nun in „Science“ ein zweites Mal als Herausgeber aufgetreten und haben mit den wichtigsten Wissenschaftsverlagen eine kritische Stellungnahme zum geplanten „Transparenz“-Gesetz veröffentlicht. Das Ausklammern unpassender Studien würde zum Ausschluss vieler wissenschaftlich begutachteter und begründeter Ergebnisse führen. Solche auch, die Dosis-Wirkungs-Beziehungen gefährlicher Stoffe untersuchen. Das Manifest ist die berühmte Spitze des schmutzigen Eisbergs. Mehr als 590.000 Kommentare sind bei der EPA eingegangen. Der Aufschrei gegen den Versuch, gute Wissenschaft durch Willkür zu ersetzen, ist gewaltig.

          Und trotzdem geht der Krieg gegen die Wissenschaft weiter. Die größte Tragödie der Wissenschaft, dachte noch der englische Biologe Thomas Huxley vor vielen Generationen, sei die Erledigung einer wunderschönen Hypothese durch eine hässliche Tatsache. Jetzt sind die schönen Fakten dran. Durch hässliche Politik war seinerzeit nicht einmal der britische Parlamentarismus aufgefallen. Nicht damals.

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