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Klimawandel : Das Wetterjahr war extrem, 2016 wird noch wärmer

Treibhausgasemissionen: Wunsch und Wirklichkeit

Nun haben zwar findige Statistiker, schon kurz nachdem die Prognosen der amerikanischen und europäischen Vorhersagezentralen veröffentlicht waren, in den Statistiken der vergangenen siebzig Jahre drei andere Temperaturkurven entdeckt, die ebenfalls kurzzeitig an den Eisschmelzpunkt heranreichen, aber kein Warmluftereignis trat so spät im tiefen nordpolaren Winter auf. Trotzdem bleibt die Frage: Ist der historische Moment, dieses kurzfristige und von Meteorologen wie Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst als unvorhersehbares und wissenschaftlich derzeit nicht erklärbares „Einzelereignis“ bezeichnete Phänomen auch klimahistorisch ein entscheidender Moment – ein Menetekel für langfristige Veränderungen?

War der Klimawandel schuld?

Seriös beantworten kann diese Frage auch die mit modernsten Rechnermodellen ausgestattete Klimaforschung jedenfalls nicht. Wie sie grundsätzlich allen empirischen Fortschritten und verbesserten Algorithmen in den Computermodellen zum Trotz bis heute Schwierigkeiten hat, für einzelne Wetterextreme die jeweiligen Auslöser zweifelsfrei zu ermitteln. Statistisch gesehen ist es, wie vor kurzem in einem Bulletin der amerikanischen Metrologenvereinigung nachzulesen war, inzwischen viel besser möglich, Wetterextreme der allgemeinen Erwärmung zuzurechnen – was naturgemäß vor allem für Hitzewellen immer besser gelingt.

Aber mit der Häufung von Wetterextremen haben sich fast zwangsläufig auch die Spekulationen verstärkt. Immer wieder taucht die Frage auf: War der Klimawandel schuld? Dazu kommt: Je heftiger der Klimawandel angekurbelt wird, je schneller sich also die chemischen und physikalischen Verhältnisse in der Atmosphäre und in den Ozeanen verändern, desto größer wird auch dessen Einfluss auf natürliche Wetterphänomene.

Düstere Wettervorhersagen

Das aktuelle und drängendste Beispiel dafür ist das Klimaphänomen El Niño. Eine Klimaanomalie der jüngeren Erdgeschichte, die ihren Ausgang im tropischen Pazifik durch die Verlagerung gewaltiger Warmwassermassen aus dem West- in den Ostpazifik vor die südamerikanische Küste nimmt, wo normalerweise der kalte Humboldtstrom herrscht. Alle paar Jahre tritt sie auf, und je ausgeprägter die Erwärmung des Ostpazifiks ist, desto gravierender sind die Auswirkungen.

Klimawandel: Was macht den Menschen Sorgen?

Der lange Arm von El Niño („Christkind“ auf spanisch) reicht praktisch um den halben Globus und verändert das Wetter im Kleinen wie im Großen. Vor allem wenn er Dimensionen wie der aktuelle El Niño annimmt, der sich im Laufe dieses Jahres aufgebaut hat und als eine der stärksten Anomalien in die Geschichtsbücher eingehen wird, drohen die Kalamitäten biblische Ausmaße anzunehmen. Äthiopien erlebt die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren, die Regierung rechnet mit massiven Ernteausfällen und mehr als zehn Millionen akut Hungernden, darunter vierhunderttausend Kinder.

Auch Haiti und Papua Neuguinea leiden unter extremer Trockenheit. „Oxfam“, die britische Hilfsorganisation, rechnet mit einer „beispiellosen humanitären Krise“. Brände wüten in Kolumbien. 20 de 32 Departements des Landes sind akut gefährdet – Ähnliches in anderen Erdteilen. Um 20 bis 30 Prozent sind die Regenmengen in vielen Tropenländern eingebrochen, auch Indonesien hat wochenlange massive Brände hinter sich. Der asiatische Monsun ist beeinträchtigt und auch die Vorhersagen für Brasilien und Australien sind düster. Kenia und große Teile Indiens dagegen sowie Ecuador, Peru und Bolivien in Südamerika leiden unter wochenlangen Regenfällen und Überflutungen.

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