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Covid-19 Erkrankung : Symptomfrei

Entscheidende Unsicherheit: Auch wer sich gesund fühlt, kann das Sars-CoV-2-Virus weitergeben. Bild: dpa

Wie viele Menschen sind mit Sars-CoV-2 infiziert ohne je Symptome zu entwickeln? Eine Übersichtsstudie zeigt, wie schwierig die Antwort ist und was man trotzdem sagen kann.

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          Wo Unsicherheit auf Unzufriedenheit trifft, da eröffnet sich der Raum für Träume, das kann man in der derzeitigen Krise wunderbar verfolgen. Könnte es nicht zum Beispiel sein, dass viele von uns Covid-19 schon gehabt haben, unbemerkt, und wir daher im Verlauf der Pandemie schon viel weiter sind, als wir derzeit glauben? 80 Prozent ist der Wert, der in diesem Zusammenhang gerne, oft quellenlos, genannt wird, und der den Anteil derjenigen bezeichnen soll, die die Infektion „asymptomatisch“ überstehen – also ohne Symptome zu zeigen. Wenn aber nur jeder Fünfte symptomatisch erkrankte, dann wäre die Zahl der tatsächlich Infizierten entschieden höher als derzeit geschätzt. Die Mortalitätsraten wären niedriger, der Weg zur Herdenimmunität viel kürzer als gedacht.

          Nun, wie so oft sind die Dinge komplizierter, denn wichtig ist hier eine Unterscheidung, die methodische Probleme mit sich bringt: Wer als akut Infizierter symptomfrei getestet wird, kann Symptome später noch entwickeln. Er wäre dann nicht asymptomatisch, sondern präsymptomatisch. Das heißt: Wenn man den Anteil symptomfrei Infizierter ermitteln will, muss man die Patienten länger im Blick behalten.

          Dass dies nur ein kleiner Anteil aller Studien auch wirklich getan hat, die sich mit dem asymptomatischen Anteil bei Covid-19 beschäftigen, zeigt nun ein Überblicksartikel in den „Annals of Internal Medicine“. Darin sind 16 Studien gelistet, nur fünf davon beinhalten Tests an aufeinanderfolgenden Zeitpunkten. Ein weiteres Problem: Angesichts der deutlichen Altersabhängigkeit der Verläufe ist naheliegend, dass auch der asymptomatische Anteil vom Alter abhängt. Studien mit repräsentativen Testgruppen sind daher vonnöten – nur drei der 16 betrachteten Studien erfüllen dieses Kriterium. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die vorliegenden Studien auf einen Anteil von 40 bis 45 Prozent asymptomatischer Verläufe hinweisen.

          Der Wert der einzigen sowohl repräsentativen als auch longitudinalen Studie aus der italienischen Gemeinde Vo’ liegt mit 43 Prozent genau dazwischen. Für Anhänger der 80-Prozent-These mag das enttäuschend sein. Beruhigend ist es aber vor dem Hintergrund einer im Artikel geäußerten Vermutung, die sich aus Untersuchungen der Reisenden auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ ergibt: Mehr als die Hälfte der asymptomatischen Fälle zeigte im CT-Scan krankhafte Anomalien der Lungen. Sollten sich solche Schäden bestätigen, hieße das aber: Je weniger Infizierte, desto besser – egal, ob mit oder ohne merkliche Symptome.

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