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Kampf um die Arktis : Wer zündelt da am Nordpol?

Der russische Fernsehnachrichtensender NTV zeigte bereits 2007 ein russisches Mini-U-Boot, dessen Roboterarm bei einer Live-Übertragung demonstrativ die weiß-blau-rote Nationalflagge Russlands in den Meeresboden am Nordpol etwa 4261 Meter unterhalb der Meeresoberfläche steckt. Bild: dpa

Das Eis taut, und schon läuft das Rennen um Gebiete und Rohstoffe heiß. Nicht nur die Russen machen in der Arktis massiv Ansprüche geltend. Nun wollen die Vereinigten Staaten deeskalieren – ein Interview mit Chefdiplomatin Fran Ulmer.

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          Nachdem Russland medienwirksam seine erweiterten Gebietsansprüche im Arktischen Ozean mit Bildern eines U-Boots demonstriert hatte, das die russische Fahne in den Meeresboden am Nordpol verankerte, war es endgültig um die Jungfräulichkeit der Region geschehen. Der Klimwandel verändert die Arktis massiv, das Gebiet erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Nordhalbkugel. Plötzlich sahen viele schon einen konfliktträchtigen Wettlauf um die Rohstoffe und Gebiete der Arktis aufziehen. Ein Schreckensszenario für Washington, das sich in der Arktis-Politik selbst lahm legt. Obamas Regierung will nun deeskalieren. Mit dem seit April übernommenen Vorsitz im Arktischen Rat der acht Arktis-Anrainer versucht Washington, seine eigenen Versäumnisse in der Umsetzung des internationalen Seerechtsübereinkommens zu kaschieren. Um Zeit und politische Unterstützung zu gewinnen, schickte Obama jetzt seine Chefdiplomatin für die Arktis, Fran Ulmer, nach Europa, um unter anderem Vorträge in München, Frankfurt, Hamburg und Berlin zu halten. Wir haben mit Professor Ulmer über die geopolitische Zukunft der Nordpolarmeer-Region gesprochen.  

          Professor Fran Ulmer wurde von Präsident Obama im Frühjahr zum zweiten Mal für den Vorsitz des amerikanischen Arktis-Forschungsrats berufen und von Außenminister John Kerry zur Chefberaterin für die Arktis-Politik ernannt.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Frau Ulmer, auf Ihrer Tour durch Deutschland sprechen Sie immer wieder eindringlich über das politische und ökologische Schicksal der Arktis, und dass dies auch uns Europäer weiter im Süden betrifft. So viel Aufklärung ehrt Sie, aber was ist das eigentliche Ziel Ihrer Mission?     

          Das Außenministerium hat mich gebeten, über das Thema in Europa zu sprechen, nicht zuletzt, weil die Vereinigten Staaten seit Frühjahr den Vorsitz im Arktischen Rats haben. Die Diskussionen um die Arktis betreffen nicht nur die acht Mitglieder des Rates, sondern immer mehr Staaten, von denen viele wie Deutschland einen Beobachterstatus im Arktischen Rate innehaben. Deutschland hat zudem sehr viele Wissenschaftler, die in den Polarregionen arbeiten. Sie sind traditionell ein wichtiger Antreiber für Kooperationen in der Region.

          Die Gebietsansprüche Russlands am Nordpol sollen nichts damit zu haben, und auch der Wettlauf um Rohstoffe, der durch Klimawandel und Eisschmelze angeheizt wird?

          Tatsache ist, dss immer mehr Staaten, die keinen direkten Zugang zum Polarmeer haben, Interesse bekunden mit zu reden. Jedenfalls wollen immer mehr einen Beobachterstatus im Rat bekommen. China, Singapur und Korea zum Beispiel wurde dieser Status zugesprochen. Der Grund ist einfach: Die Arktis verändert sich tatsächlich dramatisch. Das Klima und die Ökologie, aber auch ökonomisch verändert sich die Region schnell, angetrieben von dem Wunsch nach Nutzung natürlicher Ressourcen. Wo es weniger Eis gibt, öffnen sich neue Möglichkeiten. China versucht, neue Quellen für seinen wachsenden Energiebedarf zu finden, Singapur und Korea möchten Schiffe bauen. Die Interessen sind vielfältig, das betrifft die Förderung von Öl, Gas und Bodenschätzen, den Tourismus, den Schiffsverkehr, die Fischerei und vieles mehr. Während wir hier sprechen, explorieren immer mehr Firmen wie Shell und Exxon ihre Möglichkeiten in der Arktis.

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