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Kampf um die Arktis : Wer zündelt da am Nordpol?

Es gibt einige Überlappungen, von denen man jetzt schon weiß, zwischen Dänemark und Russland etwa und einige andere noch. Aber so ist der Prozess, die zuständige Kommission wird das klären. Es gibt die politischen Mechanismen, um die Probleme zu klären. Die Arktis ist wegen der laufenden Ansprüche noch lange kein Pulverfass.

Die russischen Ansprüche reichen allerdings bis zum Nordpol, sind also viel weitergehender als die anderer Länder.

Das ist wenig überraschend. Schon heute sind mehr als die Hälfte der Arktis russisches Gebiet, ein anderer großer Teil zählt zu Kanada. Wie berechtigt die Ansprüche am Ende sind, kann ich nicht beurteilen, das muss die wissenschaftliche Auswertung zeigen.

Schadet der Senat dem Land nicht zusehends selbst, je mehr Ansprüche von anderen angemeldet werden?

Der Druck wächst, selbstverständlich. Es haben ja auch sowohl Republikaner wie Demokraten längst zur Unterschrift gedrängt, ebenso die Handelskammer und die Öl- und Gasindustrie. Aber momentan weigert sich die Senatsmehrheit einfach grundsätzlich,ein internationales Abkommen ratifizieren zu wollen. Bis es soweit ist, schicken wir Eisbrecher raus und vermessen das Gebiet intensiv.

Bei den vielen potentiell zunehmenden Interessenkonflikten in d er Arktis, genügen da die vorhandenen politischen Strukturen wie etwa die Arktischen Rates, um Konflikte auf lange Sicht zu vermeiden?

Das ist eine schwierige Frage. Der Rat sagt, die Nutzung der Region ist gut durch Verträge geregelt. Alle Anrainerstaaten haben nationale Verträge, um ihre eigenen Polarregionen zu verwalten. Schwieriger ist dieses riesige Gebiet im zentralen Arktischen Ozean, das zwischen den Staaten liegt. Viele sagen, das ist das gemeinsame Erbe der Menschheit, es ist eine neutrale Zone. Doch es gibt auch andere Sichtweisen. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich mit fünf Küstenstaaten in der Region beschlossen, ein Fischerei-Moratorium für den Arktischen Ozean zu vereinbaren. Jetzt ist es wichtig, andere Fischereinationen mit ins Boot zu holen. Wenn man betrachtet, wie wenig wir über diese weitgehend unberührte Region wissen, sollten wir die Fischerei dort unterlassen. Leider gibt es bisher dafür keinen Vertrag, es gibt nur diese Vereinbarung. Die Internationale Maritime Organisation hat immerhin einen Polar-Code entwickelt, der den Schiffsverkehr kooperativ regeln soll.

Machen sich die geostrategischen Überlegungen schon im Arktis-Rat bemerkbar, gibt es Spannungen unter den acht Mitgliedstaaten?

Nein, wir haben nach wie vor mehr gemeinsame als widerstreitende Interessen. Wir verstehen uns mehr als moralische Autorität in der Region denn als Regulationsbündnis. Trotzdem werden wir unter dem amerikanischen Vorsitz hoffentlich noch ein Abkommen unterzeichnen, das die Kooperation in der Erforschung der Arktis forciert und den gegenseitigen Austausch von Daten massiv ausweitet. Auch das soll zeigen: Diese größtenteils unberührte Region gehört keinem einzelnen Land. Die Tatsache, dass ein Land seinen Festlandsockel in die Arktis erweitert, darf nicht dazu führen, Forschern aus anderen Ländern den Zugang zu dem Gebiet zu verwehren.

Das Gespräch führte Joachim Müller-Jung

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