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Kampf um die Arktis : Wer zündelt da am Nordpol?

Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis auf Spitzbergen.
Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis auf Spitzbergen. : Bild: dpa

Für wie groß halten Sie das Konfliktpotential dieser Entwicklung mittlerweile?

Bis jetzt ist die Region noch ziemlich verschont von Konflikten. Die acht Arktis-Staaten haben viel dafür getan und Dokumente unterschrieben, dass das so ist und bleibt. Zusammen mit den indigenen Bevölkerungsgruppen und den Beobachterstaaten hat man sich festgelegt, die Umwelt zu schützen und die Region nachhaltig ökonomisch zu nutzen. Das gilt seit Gründung des Rats 1996.

Gibt es nicht auch Veränderungen, die den Rat buchstäblich zum Handeln zwingen.? Ich denke da an die Öffnung der Nordwest- und Nordostpassage in eisfreien Sommern.

Kooperation ist das primäre Ziel. Die Mitglieder des Rates haben beispielsweise das Arctic Marine Shipping Assessment aus der Taufe gehoben, um schnell die Konsequenzen und Herausforderungen herauszuarbeiten, wenn der Schiffsverkehr wie nun schon erkennbar auf der nördlichen Route vor Russland stark zunimmt. Aus den 96 Erkenntnissen, die man so bei dieser Analyse gewonnen hat, wurden 16 konkrete Empfehlungen herausgearbeitet, die den Staaten zeigen, was sie tun können, damit es zu keinen Interessenkonflikten auf den Handelsrouten kommt.

Auch der Arktis-Tourismus hat bereits deutlich zugenommen.
Auch der Arktis-Tourismus hat bereits deutlich zugenommen. : Bild: obs

Viele wundert es, wie passiv Amerika auf die Ansprüche Russlansds am Nordpol reagiert hat.

Es gibt momentan keinen akuten Handlungsbedarf in der Arktis. Die aktuellen Konfliktherde liegen außerhalb der Polarregion, mehr in der Ukraine als am Nordpol. Wenn es um die Ausweitung der Festlandsockel vor der eigenen Küste geht und damit die Erweiterung der Wirtschaftszonen von 200 auf 350 Seemeilen nach dem Seerechtsübereinkommen, war Russland schon vor vielen Jahren aktiv geworden. Jedes Land hat das Recht, solche formalen Ansprüche zu stellen, wenn es belegen kann, dass der geschlossene Kontinentalsockel geologisch über die ausgewiesenen Seegrenzen hinausreicht. Russland und Kanada haben solche Ansprüche bei den Vereinten Nationen angemeldet, Kanada steht kurz davor. Das ist aber international gesehen nichts Ungewöhnliches. Weltweit gibt es derzeit 77 formale Gebietsansprüche nach dem Seerechtsübereinkommen, die Arktis ist in der Hinsicht kein besonderer Konfliktherd. Die Länder tun nur, was sie ihnen das Recht erlaubt.

Die Vereinigten Staaten haben dieses Recht nicht, sie haben das Übereinkommen nie ratifiziert.

In der Tat, wir handeln nach dem geltenden internationalen Seerecht, wir haben den Vertrag auch mit ausgearbeitet, aber unser Senat hat es bisher verstanden, die Umsetzung dieses Abkommens in nationales Recht zu verhindern. Dennoch haben wir die Forschung in der Arktis intensiviert, um unsere eigenen Ansprüche geltend zu machen, sollte der Vertrag irgendwann ratifiziert werden.

Viele der Gebietsansprüche werden sich doch sicher nicht in jedem Fall vollständig zur Deckung bringen lassen. Geologisch gibt es bei der Auswertung solcher Daten ja auch Interpretationsspielraum.

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