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Kleider-Vorurteile : Weniger Schein als Sein

Selbst der Weihnachtsmann darf in Johnsons Wahlkampf nicht fehlen. Hier ein Zusammentreffen zwischen ihm und dem Premierminister in Cheadle Hulme im Nordwesten Englands. Bild: AFP

Kleider machen Leute – und Vorurteile: Wie viel Kompetenz trauen wir den Menschen zu, wenn wir sehen, wie sie sich kleiden?

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          Es ist ein bekanntes Übel unserer Spezies, dass wir uns nur allzu oft von Äußerlichkeiten leiten lassen. Manchmal kann das auch positive Folgen haben. So wäre die Weihnachtsgeschichte vermutlich sehr viel weniger bühnentauglich ausgefallen, wenn die in Betlehem für die Bettenverteilung Zuständigen die Bedeutsamkeit von Maria und Josef auf den ersten Blick erkannt hätten und sie nicht als mutmaßlich arme und irrelevante Reisende ihrem Schicksal in einem Stall überlassen hätten.

          Immerhin schaffte Jesus es trotz schwieriger sozioökonomischer Startbedingungen im Weiteren recht schnell, sein Umfeld von seiner Kompetenz zu überzeugen. Das gelingt leider nicht jedem, wie ein weiteres Mal eine Studie gezeigt hat, die in „Nature Human Behaviour“ erschienen ist. Amerikanische Psychologen gingen darin der Frage nach, wie stark wir uns bei der Einschätzung der Kompetenz unserer Mitmenschen von deren ökonomischem Status beeinflussen lassen, sofern er aus der jeweiligen Kleidung abgeleitet werden kann.

          Dafür zeigten sie einer Gruppe von Testpersonen Fotos, auf denen Menschen mit variierender Oberbekleidung abgebildet waren, und ließen die Kompetenz der Abgebildeten beurteilen. Jedes Gesicht war einmal mit teurer und einmal mit preiswert erscheinender Kleidung zu sehen. Das Ergebnis war so deutlich wie vorhersagbar: Menschen erscheinen kompetenter, wenn sie edel gekleidet sind. Dieser Befund ließ sich auch nicht dadurch ändern, dass den Testern im Vorfeld mitgeteilt wurde, alle Abgebildeten besäßen den gleichen ökonomischen Hintergrund, oder indem Hinweise auf einen beruflichen Kontext wie Anzüge oder Krawatten entfernt wurden.

          Selbst der explizite Appell, sich nicht von der Kleidung beeinflussen zu lassen, fruchtete nicht – der unbewusste Bias erwies sich als stärker. Die Autoren betonen, dass in ihrer Studie die Hinweise auf den ökonomischen Status noch moderat gewählt wurden. Menschen mit wirklich ärmlich wirkender Kleidung oder anderen Anzeichen von Armut hätten mit einem ganz erheblichen Stereotyp mangelnder Kompetenz zu kämpfen. Vielleicht sind die weihnachtlichen Krippenspiele ja gute Gelegenheiten, einmal über die eigenen oft unbewusst wirkenden Vorurteile und deren Folgen zu reflektieren.

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