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Zum Venustransit : Der Höllenplanet

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Die Vulkane Sif Mons (li.) und Gula Mons - Produkt der Radardaten von „Magellan” Bild: Nasa

Die Oberfläche der Venus kennen die Planetologen inzwischen besser als die der Erde. Leben möchte man dort nicht: Selbst die Nasa denkt nicht im Traum daran, Astronauten hinzuschicken.

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          Die Venus war für die Menschen nie ein Stern wie jeder andere. Ihrer vorübereilenden Schönheit als Abend- und Morgenstern wegen verehrte man sie in der Antike als Liebesgöttin. Der magisch-triviale Rest dieses Kultes hat sich bis heute in den Astrologiespalten der Knallpresse erhalten. Und wenn die Venus am kommenden Dienstag vor die Sonne tritt, wird es an großbuchstabigen Mutmaßungen über die Einflüsse dieses Ereignisses auf das Paarungsverhalten der Erdlinge bestimmt nicht fehlen.

          Auch mancher Herold des wissenschaftlichen Weltbildes hoffte bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein, die Venus wenigstens möge mehr mit uns zu tun haben als die öden Felskugeln und Gasbälle, die das Sonnensystem sonst bevölkern. So stellte sich der britische Sciencefiction-Autor Arthur C. Clarke in der Kurzgeschichte "Expedition to Earth" die Venusianer als reptilienartige Bewohner einer von warmen Meeren bedeckten Welt vor. Warum auch nicht: Als die Erzählung 1953 erschien, wußte man über die Venus wenig mehr, als daß sie der Erde an Größe und ungefährer chemischer Zusammensetzung gleicht. Da sie der Sonne um gut ein Drittel näher steht als die Erde, muß es dort wärmer sein. Woraus also sollte die helle Wolkenhülle des Planeten sonst bestehen, wenn nicht aus Wasserdampf, der aus einer feuchtheißen Tropenwelt aufsteigt?

          Wolken in 50 Kilometer Höhe

          Heute kennen wir die vermeintliche Zwillingswelt der Erde genauer. Mit Radarteleskopen hat man durch die Wolkenschicht hindurch ihre Oberfläche abgetastet und bis heute gut zwanzig Raumsonden vorbeigeschickt. Die sowjetischen Venera-Sonden sind auf ihr gelandet und haben Bilder zur Erde gefunkt. Vor allem aber hat die amerikanische Sonde "Magellan" zwischen 1990 und 1994 eine weitgehend komplette Radarkarte der Venusoberfläche erstellt, die wir damit besser kennen als weite Bereiche der irdischen Tiefseeböden. Aus den Magellan-Daten wurden mit Computern auch die auf dieser Seite gezeigten Ansichten von der Venusoberfläche erzeugt. Seither wissen wir, wie es unter dem venerischen Wolkenschleier wirklich aussieht.

          Venus: Eistla Regio mit Vulkan Gula Mons am Horizont

          Tatsächlich gibt es dort eine felsige Landschaft mit Tälern und Bergen, von denen ein Venusastronaut kilometerweit sehen könnte - denn die Wolkenschicht beginnt erst in knapp 50 Kilometer Höhe. Über den Venusboden streicht nur ein schwacher Wind, und die Blitze, die man in ihrer Atmosphäre einst reichlich vermutete, gibt es nach neueren Beobachtungen nicht oder nur höchst selten.

          Heißer als in einem Backofen

          Aber sonst ist es die Hölle. An der Oberfläche des Planeten ist es mit bis zu 460°C heißer als in einem Backofen, die Luft ist schwefelgeschwängert, 92mal so dick wie die Erdatmosphäre, und auf den Höhenlagen schneit es Schwermetallsalze. Das einzige, was zum volkstümlichen Bild des Infernos noch fehlt, sind die Flammen. Doch auf der Venus brennt nichts. Die Atmosphäre besteht fast völlig aus dem erstickenden Kohlendioxyd. Der Reibung an ihrer dichten Gashülle hat die Venus vermutlich auch ihre absonderliche Rotation zu verdanken. Ein Tag auf der Venus ist länger als ein Jahr, und anders als alle anderen Planeten im Sonnensystem rotiert sie gegenläufig: auf der Venus ginge die Sonne im Westen auf und im Osten unter - wenn man die Sonne sehen könnte und nicht nur trübes Dämmerlicht die Lavafelder erhellte. Doch gerade mal ein Prozent des Sonnenlichts durchdringt die Wolken, die natürlich nicht aus Wasser bestehen - sondern aus Schwefelsäure.

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