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Zum Start von „BepiColombo“ : Die Sonne und der Merkur vergeben nicht

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Die europäische Sonde, der Planetenorbiter MPO, wird von einer niedrigen polaren Umlaufbahn aus vor allem die Oberfläche des Merkurs mit einer hohen Auflösung vollständig kartographieren und ein Höhenprofil erstellen. Sie soll zudem die chemische Beschaffenheit des Planeten analysieren und in das Innere des Planeten blicken. Die japanische Sonde, der Magnetosphärenorbiter MMO, wird den Merkur weiter entfernt auf einer stark elliptischen Bahn umkreisen.

Sie wird das Magnetfeld des Merkurs und dessen Wechselwirkung mit dem Sonnenwind untersuchen. Der Merkur steckt noch voller Geheimnisse. Warum hat er wie die Erde ein Magnetfeld? Wie ist der Planetenkern beschaffen? Gibt es tatsächlich Eis in den Kratern, so wie es Messenger seinerzeit beobachtet hat? Wie ist Merkurs Umgebung beschaffen: die Exosphäre und Magnetosphäre, und wie werden diese von den geladenen Teilchen des Sonnenwinds beeinflusst?

Es soll auch Albert Einstein auf den Prüfstand gestellt werden.

Die Erklärung der seltsamen Periheldrehung der Merkurbahn war die erste Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie und der von ihr vorhergesagten Krümmung des Raumes. Da MPO in nur 400 Kilometer Höhe um den Merkur kreist, kann die Bahn des Merkurs präzise vermessen werden. Relativistische Effekte infolge der starken Gravitationskraft der Sonne auf die Bewegung des Planeten können wir dadurch genauer überprüfen.

BebiColombo im Reinraum bei Estec im holländischen Noordwijk. Das Raumflugkörper besteht aus vier Teilen: dem „Mercury Planetary Orbiter“ (MPO), dem „Mercury Magnetospheric Orbiter“ (MMO), aus einem Sonnenschutzschild für MMO und dem Tranfermodul.

BepiColombo gilt als die bislang anspruchvollste Mission der Esa.

Merkur ist ein Ort der Extreme. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 180 Grad und plus 480 Grad. Es ist vor allem die Hitze, die den beiden Orbitern zu schaffen macht. Dabei wird nicht nur die Sonnenstrahlung die Orbiter aufheizen, sondern auch die Wärmestrahlung der Merkur-Oberfläche. Der Planetenorbiter MPO muss sich so drehen, dass er nicht der direkten Strahlung der beiden Himmelskörper ausgesetzt ist. Dabei muss die Antenne stets in Richtung Erde gerichtet sein. Die Solarzellen müssen geneigt sein, damit sie nicht zu heiß werden, aber genügend Sonnenstrahlung abbekommen. Die auftreffende Wärmestrahlung muss vom Radiator schnell in den Weltraum abgegeben werden. Es wird also äußerst kompliziert, um den Merkur zu fliegen. Der Orbiter muss immer optimal ausgerichtet bleiben, auch bei Computerproblemen. Wir haben deshalb einen redundanten Computer an Bord, der immer aktiv ist. Beim MMO sind wegen des größeren Abstands der Umlaufbahn die Probleme nicht so groß. Der japanische Orbiter rotiert so schnell um seine Achse, dass die Hitze rasch verteilt wird.

Sie haben eine Reihe von Missionen erlebt, welche war für Sie die spannendste?

Ohne Frage Rosetta. Die Kometenmission war nicht nur wissenschaftlich äußerst interessant, auch der Missionsbetrieb war eine einmalige, enorme Herausforderung. Fast alles war Neuland. BepiColombo wird aus anderen Gründen sehr anspruchsvoll für uns sein. Denn die Sonne und der Merkur vergeben nicht. Wenn man einen einzigen Fehler macht, kann die ganze Mission verlorengehen. Anders als bei Rosetta hat man keine Zeit, Fehler bei Flugmanövern zu korrigieren. Bei BepiColombo können schon ein paar Grad zu viel in der räumlichen Ausrichtung am Merkur den Orbiter überhitzen, was das Aus bedeuten könnte.

Die Fragen stellte Manfred Lindinger.

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