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Leben auf der Venus : Zur Hölle

Reizvolles Ziel, bei aller Unwirtlichkeit: Unser Nachbar, die Venus Bild: AP

Vom Hort des Lebens zum trockenen Klimainferno: Die Venus hat ein Jahr des drastischen Imagewandels hinter sich. Sonden hinschicken sollten wir trotzdem.

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          Wohl selten hat ein Planet innerhalb eines Jahres einen so drastischen Imagewandel durchmachen müssen wie die Venus. Vor einem Jahr noch als Hort möglichen Lebens gehypt, heißt es nun, die Venus sei vielleicht schon immer eine lebensfeindliche Hölle gewesen. Wir erinnern uns: Im vergangenen Herbst war unter großem Mediengetöse der Fund des möglichen Biomarkers Phosphin gemeldet worden. Man malte sich bereits die Existenz von Mikroorganismen in den moderat temperierten Wolken der Venus aus, wohin diese hätten geflüchtet sein können, nachdem die Oberfläche ihres Heimatplaneten durch einen sich massiv selbst verstärkenden Treibhauseffekt immer heißer und unwirtlicher geworden war.

          Das Bild hatte etwas Tröstliches: Auch wenn der eigene Lebensraum zugrunde geht, wäre es möglich, sich ein neues Habitat zu erschließen und die eigene Existenz zu sichern. NASA und ESA nahmen die Frage nach Leben auf der Venus als eine Motivation, neue Missionen dorthin zu beschließen. Allerdings hat sich die Idee der wolkenbasierten Bakterienkolonien mittlerweile verflüchtigt, die Phosphin-Entdeckung war wohl Resultat schlampiger Datenanalyse.

          Und die jüngste Nature-Studie nimmt nun auch den letzten Romantikern die Rechtfertigung, sich an der Möglichkeit von Venusleben zu erfreuen, wie es in potentiell erdähnlichen Venus-Ozeanen vor einigen Milliarden Jahren hätte entstanden sein können. Die Grundlage ist ein neues Klimamodell. Das legt nahe, dass der Wasserdampf in der Atmosphäre der jungen Venus sich nie in flüssigem Oberflächenwasser niederschlagen konnte, sondern gleich auf der Nachtseite der Venus eine dichte, den Planeten immer stärker aufheizende Wolkenschicht gebildet hat. Anders als die frühere Modellierung startet dieses Modell nicht mit der Existenz flüssigen Wassers auf der Venusoberfläche.

          Sofern diese Anfangsbedingung zutreffend ist, wäre die Venusgeschichte also anders verlaufen als bisher gedacht. Was aber ist nun mit den Venusmissionen, die doch nach Spuren von Leben suchen wollten? Nun, stattdessen können diese jetzt erst mal nach Spuren von Wasser im Venusgestein suchen. Bei Erfolg könnte es dann gegen Ende des Jahrzehnts den nächsten Imagewandel der Venus geben. Und vielleicht neuen Anlass für Träumereien.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

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