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Hoffnung auf Supernova : Was ist mit Orions Schulter los?

Der Fixsternhimmel am 15. Januar um 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit Bild: dpa

Der Rote Überriese Beteigeuze im Sternbild Orion leuchtet derzeit so schwach wie seit Jahrzehnten nicht – Anzeichen eines bevorstehenden Himmelsspektakels?

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          Im Universum passiert bekanntlich ziemlich viel. Da ziemlich viel von dem vielen aber so langsam passiert, dass wir Menschen schneller sterben, als dass wir drastische Veränderungen sehen, ist so richtiges Spektakel im All dann doch auch wieder etwas Besonderes für uns. Diese Tatsache mag eine Rolle dabei spielen, dass in diesen Tagen viele astronomisch Interessierte beim Blick in den wolkenlosen Winterhimmel von einer großen Aufregung ergriffen wurden. Denn Orion, der Jäger, präsentiert sich anders als gewohnt: Seine rechte Schulter, markiert durch den Roten Riesenstern Beteigeuze, der normalerweise zu den hellsten Sternen am Himmel zählt, erscheint seit Oktober immer schwächer. Am 23. Dezember vermeldeten Astronomen der amerikanischen Villanova-Universität im „Astronomer’s Telegram“, dass Beteigeuzes Helligkeit zuletzt vor knapp hundert Jahren so gering war wie jetzt.

          Grundsätzlich ist das zwar interessant, aber dann doch nicht das, was man als Himmelsspektakel bezeichnen würde, zumal Beteigeuze schon lange als variabler Stern bekannt ist. Sehr viel aufregender ist, was diese Schummrigkeit bedeuten könnte. Denn Beteigeuze befindet sich als Roter Überriese bereits am Ende seines Lebens und damit im Vorlauf zur finalen Katastrophe: seiner Explosion als Supernova angesichts der Erschöpfung seines Kernbrennstoffs. Sollte seine Leuchtschwäche auf die Verdeckung durch vom Stern abgestoßenes Gas und Staub zurückzuführen sein, könnten wir aktuell Zeuge des Vorspiels für den großen Knall werden. Der Kernkollaps des knapp 700 Lichtjahre entfernten Sterns, eine Supernova vom Typ II also, würde ihn Größenordnungen heller als die Venus erscheinen lassen. In seiner Helligkeit einer Mondsichel vergleichbar, könnte er bei Nacht für einen zusätzlichen Schattenwurf sorgen.

          Für uns Erdlinge, die wir letztmalig 1604 mit Keplers Supernova in unserer eigenen Galaxie ein solch spektakuläres Ereignis erleben durften, wäre dies ein optimaler Kompromiss aus sicherer Zuschauerposition und guter Sicht. Weit genug entfernt, um die Wucht der Explosion nicht fürchten zu müssen, aber nah genug dran, um wissenschaftlich das gesamte Spektrum kosmischer Informationsträger optimal auswerten zu können: Neutrinos, Gravitationswellen und jede Menge elektromagnetischer Strahlung. Ein Traum für jeden Astrophysiker. Allerdings, so geben die amerikanischen Astronomen in ihrem Telegramm zu bedenken, könnte die Erklärung auch eine viel langweiligere sein. Denn wie man weiß, folgen Beteigeuzes Helligkeitsschwankungen Zyklen. Aktuell befindet sich der Stern nahe der Minima gleich zweier dieser Zyklen – einer mit sechsjähriger, der andere mit 425-tägiger Periode.

          Also doch keine Supernova? „Wir planen, den Stern weiter zu beobachten. Wenn der Stern den beschriebenen Perioden folgt, sollte bald das Lichtminimum erreicht sein. Das muss aber überprüft werden“, so die Forscher. Noch gibt es also Hoffnung, dass das neue Jahrzehnt mit einem Knall beginnt. Sollte dieser dennoch ausbleiben, hätte das allerdings auch etwas Gutes. Denn wenn Orion plötzlich und für immer seine rechte Schulter fehlte, wäre das wiederum höchst bedauerlich.

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