https://www.faz.net/-gwz-a8jaw

Marsmissionen am Ziel : Wir sehen uns auf dem Roten Planeten

Sicher verpackt: In dieser Illustration nähert sich der Nasa-Rover Perseverance bereits der Marsoberfläche. Bild: dpa

China und die Arabischen Emirate haben beide ihre ersten Marssonden erfolgreich ans Ziel gebracht. Heute Abend folgen nun die Amerikaner. Der Rover „Perseverance“ wird voraussichtlich gegen 21.45 Uhr deutscher Zeit auf dem Roten Planeten landen.

          4 Min.

          Andere Länder, andere Sitten. Das scheint auch für das Verhalten von Raumfahrtingenieuren zu gelten, denen gerade ein kritisches Manöver geglückt ist. Nun war im Mohammed Bin Rashid Space Center in Dubai kein wildes Umarmen der Umstehenden zu erwarten, als dort am  Dienstagabend in der vergangenen Woche das Signal eintraf, welches das erfolgreiche Einschwenken der Sonde „Al-Amal“ (die Hoffnung) in die Umlaufbahn um den Mars meldete. Dergleichen verbat sich hier nicht nur aus Corona-Gründen, sondern auch weil ein gutes Drittel der Belegschaft weiblich war. Ein wahlloses Herzen unter Kolleginnen und Kollegen war selbst in diesem für die Nation besonderen Moment nichts, was in dem Golfstaat für schicklich gehalten worden wäre – auch wenn das zuständige Ministerium von einer 34 Jahre alten Informatikerin geleitet wird.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stattdessen wurde applaudiert und dann andächtig den Worten seiner flugs in den Kontrollraum geeilten Hoheit Scheich Muhammad Bin Rashid Al Maktoum gelauscht. Der Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate hatte diese erste Mission eines islamischen Landes zum Roten Planeten vor sechs Jahren angeordnet, um damit den 50. Jahrestag des Zusammenschlusses der Emirate im Jahr 1971 zu begehen. Mit dem Blick auf ein Zeitalter nach dem Öl will er sein Land als zukünftige Technologienation einführen. Auch wenn die volle Funktionstüchtigkeit der Sonde sich erst in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten erweist, ist das Zeichen gesetzt – und das wurde am Dienstag auch gefeiert: Über die Fassade des Superwolkenkratzers Burj Khalifa im Zentrum Dubais ergoss sich eine monumentale Lasershow mit Marsthemen, und der englischsprachige Staatssender „Dubai One“ begleitete die Ankunft der Sonde mit einer zweistündigen Liveshow. Denn immerhin: Nach Russen, Amerikanern, Europäern und Indern sind die Emiratis nun die fünfte Macht, der es gelungen ist, eine Sonde in den Marsorbit zu bringen.

          Mars-Vulkane bei Sonnenaufgang, aufgenommen von der arabischen Raumsonde „Al-Amal“
          Mars-Vulkane bei Sonnenaufgang, aufgenommen von der arabischen Raumsonde „Al-Amal“ : Bild: AP

          Keine Party für die „Himmelsfrage“

          Nummer sechs folgte bereits am Tag darauf, dem Mittwoch. Da zündete um 12:52 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Haupttriebwerk der chinesischen Raumsonde „Tianwen-1“, und um 14 Uhr zeigte die Frequenzverschiebung ihres Funksignals an, dass auch die Mission aus dem Reich der Mitte in eine Marsumlaufbahn eingetreten war. Das war bereits elf Minuten zuvor geschehen, denn so lange brauchen Radiowellen für die 192 Millionen Kilometer, die den Mars gegenwärtig von der Erde trennen.

          Aufgrund dieser Zeitdifferenz lassen sich Manöver von Marssonden nicht direkt von der Erde aus kontrollieren, sondern müssen vorab programmiert beziehungsweise autonom vom Bordcomputer gesteuert werden. Das ist eine der Schwierigkeiten, die Marsmissionen deutlich komplexer machen als solche im Erdorbit und die denen, die sie unternehmen, ein gewisses Maß an Raumfahrterfahrung und technischem Können abverlangen. Auch wenn die Chinesen 2018 mit der ersten jemals unternommenen Landung einer fahrbaren Sonde, eines sogenannten Rovers, auf der erdabgewandten Seite des Mondes einen wichtigen Erfolg verbuchen konnten, war ein Gelingen am Mars – wo bisher rund die Hälfte aller dorthin geschickten Sonden in der einen oder anderen Form gescheitert ist – keineswegs garantiert. Man sollte meinen, dass nun auch in Peking laut gejubelt wurde.

          Weit gefehlt. Tianwen – der Name bedeutet soviel wie „Himmelsfrage“ und spielt auf ein antikes chinesisches Gedicht an – war weder Gegenstand einer nationalen Party noch einer Liveshow. Die China National Space Administration veranstaltete auch keine Fernsehübertragung, nicht einmal eine Pressekonferenz. Man gab nur einige dünne Meldungen heraus sowie ein bereits am 5. Februar aufgenommenes Schwarzweißbild des Mars und bestätigte den Erfolg auch nur im Nachhinein. Dass die Sonde das Einschwenkmanöver geschafft hatte, konnte die Weltöffentlichkeit zuerst von Funkamateuren erfahren, die das Signal des Gefährts verfolgt und anhand des sogenannten Dopplereffekts aus Frequenzänderungen auf seine Manöver geschlossen hatten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hauptsache auffallen: 2010 posierte Sebastian Kurz im Wahlkampf für den Gemeinderat im Kampagnenvideo „Schwarz macht geil“ – auf einem schwarzen Hummer vor dem Nachtclub Moulin Rouge in Wien.

          Sebastian Kurz : Im Geilomobil zur Macht

          Seinen rasanten Aufstieg hatte Sebastian Kurz immer auch seinem Netzwerk zu verdanken. Die jungen Männer halfen ihm seit Jahren, auch bei vielen Intrigen.
          Klare Sache: Serge Gnabry (links), Leon Goretzka und der FC Bayern lassen aufhorchen.

          5:1 in Leverkusen : FC Bayern sorgt für Bayer-Debakel

          Fünf Tore in einer Halbzeit: Bayer Leverkusen geht gegen den FC Bayern unter. Die Münchner übernehmen damit wieder die Tabellenführung – und ärgern sich am Ende dennoch über ein Gegentor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.