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Exoplaneten : Das Licht der Sieben

Aber auch Magnetfelder schützen nicht vor lebensfeindlichem UV- und Röntgenlicht. Und genau dieses strahlen rote Zwerge in höherem Maße ab als Sterne vom Sonnentyp. Für das Trappist-1-System hat dies Michaël Gillon selbst zusammen mit einigen Kollegen im vergangenen Jahr in einem Beitrag für die „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ aus Messungen des Röntgenteleskops XMM Newton bestimmt. „Die Bestrahlung der Planeten mit Röntgen und UV ist um ein Vielfaches stärker als die er heutigen Erde“, lautet ihr Fazit.

Die Strahlung wäre selbst für „Conan the Bacterium“ zu viel

Obendrein neigen rote Zwerge verstärkt zu Strahlungsausbrüchen, sogenannten Flares. Auf der Oberfläche von Proxima Centauri etwa kommt es alle zehn bis dreißig Stunden dazu. Bei Trappist-1a ist die Frequenz von Flares, die mit Anstiegen biologisch wirksamer UV-Strahlung einhergehen, bislang unbekannt. Dennoch haben Jack O’Malley-James und Lisa Kaltenegger von der Cornell University in einer unlängst zur Veröffentlichung eingereichten Arbeit untersucht, welchen Strahlenstress bereits ein ruhig leuchtender Trappist-1a etwaigen Organismen auf seinen nominell habitablen Welten bereiten würde. Wie sich zeigt, sind Röntgen- und UV-Pegel so hoch, dass es selbst der strahlenresistentesten irdischen Bazille Deinococcus radiodurans (ob seiner Widerstandskraft von Forschern auch „Conan the Bacterium“ genannt) zu viel wäre – es sei denn, die Planeten besäßen dichte sauerstoffhaltige Atmosphären, die Ozonschichten ausbilden können. Aber für eine solche müsste sich Leben erst einmal gebildet haben.

Das Dumme ist nur: Kurz nach ihrer Entstehung scheinen M-Zwerge zu besonders aggressiver Flare-Tätigkeit zu neigen. Daher müssen die Astrobiologen befürchten, dass junge Zwergsterne die Atmosphären ihrer Planeten schnell zersetzen, so dass sich Leben darauf auch später, wenn der Zwerg sich beruhigt hat, nicht mehr möglich ist. Hoffnung machen den Forschern allerdings die beobachteten Bahnkonfigurationen im Trappist-1-System, die darauf hindeuten, dass sich die Planeten zunächst viel weiter außen befanden und erst später eng an den Stern herangerückt sind. Bei günstigem Timing könnten sie sich also dichte, möglicherweise lebensfreundliche Atmosphären bewahrt haben.

Fest steht jedoch, dass ohne genauere Daten über die Atmosphären alles Reden über habitable Zonen keinen rechten Bezug zur Frage nach der Lebensfreundlichkeit hat. „Wir müssen warten, bis wir die Atmosphären sehen, bevor wir sagen können, wie warm oder wie kalt es auf den Planeten wirklich ist“, sagt Sarah Seager vom Massachusetts Institute of Technology. Dies sei aber der eigentliche Grund, warum Trappist-1 eine wichtige Entdeckung ist: Aufgrund der geringen Distanz werden künftige Teleskope, allen voran das gigantische James-Webb-Weltraumteleskop, das die Nasa 2018 starten will, in der Lage sein, etwas über die Atmosphären dort herauszufinden. Die Chance besteht, dass sie mehr Glück haben als die Forscher des SETI-Instituts, von denen Gillon weiß, dass sie ihre Antennen ebenfalls schon auf den Stern Trappist-1a ausgerichtet hatten, um möglicherweise funkende Aliens zu belauschen. „Sie haben aber nichts gefunden.“

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