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All-Tourismus : Wo beginnt der Weltraum?

So hoch kommen sie beide nicht: Blick aus der Internationalen Raumstation ISS in etwa 400 Kilometer Höhe. Bild: Nasa

Branson gegen Bezos: Zwei Milliardäre liefern sich ein Wettrennen ins All. Allerdings verstehen sie darunter nicht ganz dasselbe.

          4 Min.

          Richard Branson will Jeff Bezos schlagen. Nicht im Milliardärsranking. Das schafft der Herr der Firmengruppe Virgin wohl nicht mehr. Mit mageren 5,7 Milliarden Dollar Vermögen liegt Branson in der Forbes-Liste der weltweit wohlhabendsten Menschen aktuell auf Platz 512. Bezos, Gründer des Digitalkonzerns Amazon, ist Tabellenführer und mehr als 200 Milliarden Dollar reicher. Aber Branson will als Erster mit dem eigenen Weltraumtourismusunternehmen ins All. Wenn alles klappt, soll ihn die von einem Trägerflugzeug startende „VSS Unity“ schon an diesem Sonntag in die Schwärze des Weltraums tragen. Bezos besteigt seine Rakete „New Shepard“ erst am 20. Juli. Beides sind Suborbitalflüge, deren Passagiere nur ein paar Minuten im All verbringen werden. Aber der Premiere eines völlig privat durchgeführten touristischen Weltraumfluges wäre der Eintrag in den Geschichtsbüchern trotzdem sicher. Die Frage ist allerdings, ob Bezos es anerkennen wird, wenn Branson ihm zuvorkommt.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die VSS Unity hat bei ihrem letzten Testflug im Mai 89,2 Kilometer Höhe erreicht, die New Shepard im April aber 106,3 Kilometer. Damit kommt nur Bezos’ Rakete über die sogenannte Kármán-Linie von 100 Kilometern, die viele als Grenze zwischen Erdatmosphäre und dem Weltall ansehen und die als Erstes im Juni 1944 von Wernher von Brauns V2 erreicht wurde. Die 100 Kilometer hatte später der ungarisch-amerikanische Ingenieur Theodore von Kármán (1881 bis 1963) vorgeschlagen, weil in ungefähr dieser Höhe die Luft derart dünn wird, dass ein Flugzeug, um Auftrieb zu erzeugen, so schnell fliegen müsste, wie ein Satellit in dieser Höhe kreisen würde. Aber ist das eine sinnvolle universelle Grenze? Hängt sie dazu nicht zu sehr von Details wie der mit der Sonnenaktivität schwankenden Dichte der Hochatmosphäre ab?

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