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Daten der Gaia-Mission : Wenn Wissenschaft sich wie Weihnachten anfühlt

Die Veröffentlichung neuer Forschungsdaten können viele Wissenschaftler kaum erwarten. Hier eine künstlerische Darstellung der Gaia-Sonde. Bild: dpa

Erster Antrieb der Wissenschaft ist die Neugier, und kaum etwas ist spannender als der Blick auf neue Daten. Doch während manche Forscher auf Überraschungen hoffen, sind andere Meister der korrekten Vorhersage. Eine Glosse.

          Was gibt es Schöneres als die gespannte Vorfreude beim Auspacken eines Geschenkes, auf dessen Erhalt man lange hingefiebert hat? Wird es genau dasjenige enthalten, was man sich gewünscht hat? Oder – wenn schon nicht das Gewünschte – wenigstens etwas anderes, das man gut gebrauchen kann? Oder noch besser: etwas völlig Überraschendes, das alle Erwartungen noch übertrifft? Wenn man an dieser Form von Nervenkitzel Gefallen gefunden hat und solche Überraschungen auch über Geburts- und Feiertage hinaus erleben möchte, dann könnte vielleicht ein Job in der Astrophysik eine Überlegung wert sein. Da gehört das Wunschzettelschreiben quasi zum Beruf.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seit Astronomen oft nicht mehr selbst zu den Teleskopen reisen und ihre Daten dort ganz in Eigenregie aufnehmen, formulieren sie ihre Wünsche meist erst einmal schriftlich: Welche Beobachtungsdaten sie gerne hätten, wie sie die Daten auswerten wollen und welche Erkenntnisse sie sich davon erhoffen. Erfolgreiche Wunschzettelschreiber, die ein für die Verteilung der Beobachtungszeit zuständiges Komitee überzeugen können, dürfen dann in den Zustand der Vorfreude eintreten. Nach einigen Monaten wird das Datengeschenk nach Hause geliefert und steht für den aufregenden Akt des Auspackens bereit: Besitzen die Daten die gewünschte Qualität? Und wenn ja: Sind sie wirklich geeignet, der Art wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns zu dienen, die auf dem Wunschzettel angekündigt war? Für den Wissenschaftler kann sich zu diesem Zeitpunkt zwischen wissenschaftlicher Sensation und bodenloser Enttäuschung alles ereignen.

          Im zweiten Fall bleibt immer noch die nächste Antragsrunde. In der Astrophysik gibt es allerdings nicht nur die Verteilung individueller Geschenke. Es gibt auch Massenbescherungen. Eine solche wurde vergangene Woche von der Esa veranstaltet, die Wissenschaftlern und Öffentlichkeit am 25. April um 12 Uhr Zugang zur neusten Datensammlung der Weltraumsonde Gaia gewährte. Zuletzt zählten Astronomen die Stunden bis zur offiziellen Eröffnung des neuen Datenarchivs, denn wie man von einer Massenbescherung erwarten kann, ist bei so einem Ereignis Schnelligkeit gefragt. Der Grund: Kein Nutzer war und ist in der Auswertung der Daten privilegiert.

          Wer sich von den Kollegen nicht die besten Happen wegschnappen lassen will, versucht besser, der Erste zu sein. Nur Veröffentlichungen zur Mission selbst, zur notwendigen Datenbearbeitung und der Datenqualität hatte das Gaia-Team bereits vorbereitet. Gut vorbereitet waren indes auch einige der Wissenschaftler. Der erste textbasierte Artikel, in dem die neuen Gaia-Daten genutzt wurden, benötigte bis zu seiner Veröffentlichung in der Datenbank arXiv gerade einmal fünfeinhalb Stunden. Der zweite – nach sieben Stunden – enthielt bereits Abbildungen, in denen die neuen Daten berücksichtigt waren. Gründliche Vorbereitung ist halt alles. Und wohl dem, der in seinen Geschenken auch genau das findet, was gewünscht und erwartet war.

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