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Sonde „New Horizons“ : Wenn der Nasa-Chef im Plutofieber fabuliert

MIssionschef Alan Stern im Patriotenmodus. Bild: dpa

Die amerikanische Sonde ist glücklich am Pluto vorbeigerast. Historisch. Während die Welt auf die Nahaufnahmen warten, lässt die Nasa die Sektkorken knallen. Doch hat sich der Aufwand gelohnt? Ein Kommentar.

          2 Min.

          Der Jubel ist unbeschreiblich. Den amerikanischen Raumfahrspezialisten der Nasa ist etwas gelungen, worum sie ihre Kollegen der anderen Raumfahrtnationen beneiden dürften: das erste Rendezvous einer Raumsonde mit Pluto in fünf Milliarden Kilometer Entfernung. Neuneinhalb Jahre ist der amerikanische Kundschafter „New Horizons“ zu ihrem Ziel am Rande unseres Sonnensystems unterwegs gewesen und mit Rekordtempo durch das Sonnensystem rauscht Und das alles, um für wenige Stunden möglichst nah an Pluto vorbeizufliegen, möglichst viele Bilder zu schießen und Messungen auszuführen. Man will endlich mehr wissen von der fernen Welt, die 1930 entdeckt wurde und die man bisher nur von unscharfen Teleskopaufnahmen kennt.

          Nasa-Chef Charlie Bolden im Plutofieber.
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Und hat alles geklappt? Hat sich der ganze technische Aufwand überhaupt gelohnt? Definitiv konnte das zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen. Denn es herrscht Funkstille aus dem All – zumindest vorerst. New Horizons hat während des Vorbeiflugs viel zu tun und keine Sekunde Zeit, um auch noch Panoramabilder zur Erde funken können. Die Signale bis zu uns benötigen ohnehin rund viereinhalb Stunden. Außerdem ist die Datenrate mager. Morgen erst kann man mit der ersten Nahaufnahme rechnen.

          So waren auf der Pluto-Party der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa vor allem begeisterte Gesichter von Wissenschaftlern und Zaungästen zu sehen, die den Countdown bis zum Moment der dichtesten Annäherung runterzählten. Und überall kleine amerikanische Flaggen in den Händen freudentrunkener Menschen. Man weiß sich eben auch dann zu inszenieren, wenn es eigentlich nichts zu sehen gibt.

          Halt, wo bleibt Rosetta?

          Das einzige Bild von Pluto, das man als Höhepunkt präsentierte, stammte vom Montag, also einen Tag vor dem Vorbeiflug, als New Horizons noch mehr als 760.000 Kilometer von ihrem Ziel entfernt war. Ohne Zweifel die bislang beste und schärfste Ansicht von Pluto überhaupt – und Grund genug zur Freude. Und ein Hinweis darauf, was morgen zu erwarten ist. Dem Pathos macht das keinen Abbruch. „Amerika hat Raumfahrtgeschichte geschrieben“, verkündete Nasa-Chef Charles Bolden stolz.

          In den Schulen und Kindergärten sollte man überall den Tag feiern und seine Bedeutung für die amerikanische Raumfahrt erklären, damit es jedes Kind weiß. Amerika habe „als einzige Raumfahrtnation unbemannten Raumsonden zu allen neun Planeten geschickt“. Wie bitte? Neun Planeten? Halt. Offenkundig hat Bolden übersehen, dass Pluto längst kein Planet mehr ist und zum Zwergplaneten degradiert wurde. Ein leichtsinniger Versprecher des Nasa-Chefs?

          Mag sein, ein anderer dagegen ist richtig ärgerlich: Auf jeden Fall nämlich hätten die Nasa-Verantwortlichen vor der Nasa-TV-Gemeinde nicht vergessen dürfen, die europäische Raumfahrmission „Rosetta“ zum Kometen 67P zu erwähnen, als man die Liste der laufenden Erkundungsmissionen zu fernen Welten aufzählte. So viel Sportsgeist darf man auch auf einer amerikanischen  Champagnerparty erwarten. 

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