https://www.faz.net/-gwz-xvzy

Weltraumschrott : Ein Risiko nicht nur für die Raumstation

  • -Aktualisiert am

Ein Blick auf die Internationale Raumstation von der sich entfernenden Discovery aus. Die blaue Linie der Erdatmosphäre markiert den Erdhorizont. Bild: Nasa

Immer mehr fragmentierte und funktionslos gewordene Satelliten machen immer mehr Ausweichmanöver für intakte und neue Satelliten notwendig. Ein europäischer Kongress in Darmstadt widmet sich dem Problem des Weltraumschrotts.

          3 Min.

          Seit Anfang 2007 ist der aus ausgedienten Satelliten und Raketenstufen sowie Fragmenten davon bestehende Weltraumschrott, der die Erde umkreist, dreimal heftig ins Gerede gekommen. Im Januar jenes Jahres haben die Chinesen bei einem militärischen Test einen ihrer außer Betrieb genommenen Satelliten in 865 Kilometer Höhe abgeschossen, wovon heute noch 2300 Fragmente mit mindestens zehn Zentimeter Durchmesser zeugen.

          Mit einem Schlag wurde damals die Zahl der katalogisierten Schrottteilchen um 25 Prozent erhöht, und es wird Jahre dauern, bis sich das dadurch gewachsene Kollisionsrisiko über der Erde merklich verringert. Andere Schrottteilchen, die im Februar 2008 beim Abschuss eines militärischen amerikanischen Satelliten entstanden, der in etwa 250 Kilometer Höhe flog und abzustürzen drohte, sind mittlerweile sämtlich verglüht. Weitere 780 katalogisierte Fragmente wurden aber im Februar dieses Jahres bei der Kollision der Satelliten Iridium 33 und Kosmos 2251 etwa 800 Kilometer oberhalb der Erde erzeugt – dem ersten Zusammenstoß von zwei Satelliten.

          Mittlerweile 4600 Satelliten

          Als Folge der drei Ereignisse hat sich die Zahl der Ausweichmanöver, die die europäische Raumfahrtbehörde Esa für ihre beiden Erderkundungssatellliten ERS 2 und Envisat bei einem Kollisionsrisiko einleitet, von jährlich fünf bis sieben auf zehn bis fünfzehn verdoppelt. Das berichtete Gaele Winters vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc am Montag auf der Europäischen Konferenz für Weltraumschrott in Darmstadt.

          Der Schrott im Weltraum ist für die Raumfahrt längst nicht mehr nur ein Schönheitsfehler. Gerard Brachet, ehemaliger Generaldirektor der französischen Raumfahrtbehörde Cnes, hat es in Darmstadt recht drastisch formuliert: Unsere Fähigkeit, den Weltraum auf Dauer zu nutzen – also Satelliten zuverlässig zu betreiben –, sei nicht garantiert. Bis Ende 2008 seien etwa 4600 Satelliten in den Weltraum gebracht worden, neun Nationen hätten entsprechende Startsysteme, und mehr als 50 Staaten und regionale Organisationen betrieben mittlerweile Satelliten.

          Auf Kollisionskursen

          Insgesamt sind im Weltraum bislang 245 Satelliten fragmentiert. Von den Vereinigten Staaten werden mittlerweile 12 500 bis 13 000 „Weltraum-Objekte“ mit mindestens fünf bis zehn Zentimeter Durchmesser überwacht, darunter sieben Prozent operationelle Satelliten, 40 Prozent nicht mehr betriebene, aber noch intakte Objekte und 53 Prozent Fragmente. Längst werden mit den Beobachtungsdaten die Kollisionsrisiken für besonders wichtige Satelliten und für bemannte Raumfahrtsysteme ermittelt und gegebenenfalls deren Bahnen zur Vermeidung von Zusammenstößen verändert. Für die Internationale Raumstation hat es in jüngster Zeit gleich mehrere Warnungen gegeben. Unter anderem musste sie einem der chinesischen Schrottteilchen ausweichen, und einmal haben die Astronauten sicherheitshalber eine Sojus-Rettungskapsel bestiegen, weil es für eine Bahnänderung zu spät war.

          Weitere Themen

          Nicht alles auf eine Karte

          Impfstoffe gegen Covid-19 : Nicht alles auf eine Karte

          Impfstoffe, die vor Covid-19 schützen, sind dringend gesucht. Ein Gespräch mit Richard Hatchett, dem Generaldirektor der Organisation CEPI, die jetzt solche Forschungsprojekte fördert. Ganz nach dem Motto: „Speed, scale, access.“

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.