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Weltraumforschung : Mein Gott - alles voller Planeten!

Kein Ort für Menschen oder Aliens: Der Stern HD10180 Bild: AP

Das Weltraumteleskop Kepler meldet jede Menge neue Funde. Leider ist wieder nichts dabei, was auch nur entfernt bewohnbar wäre. Doch muss es davon nicht jede Menge geben? Diese Frage wird durch Kepler in wenigen Jahren beantwortet sein.

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          Im September 1995 schrieb der amerikanische Astrophysiker David Black in einer Fachzeitschrift: „Bis heute sind keine anderen Planetensysteme gefunden worden, und das Fehlen beginnt statistisch signifikant zu werden.“ Im Klartext: Es gibt wahrscheinlich keine, oder nur ganz ausnahmsweise. Das war eine bittere Pille, nicht nur für Science Fiction-Freunde oder Zeitgenossen, die den Gedanken, die Erde könnte etwas Besonderes sein, in den philosophischen Giftschrank verbannt sehen möchten. Auch viele Astronomen dürfte die Aussicht eher betrübt haben. Ein Kosmos, in dem Planeten eine Seltenheit sind, wäre doch ein ganzes Stück langweiliger.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch Blacks Befund hielt keinen Monat. Am 5. Oktober 1995 verkündeten Schweizer Forscher die Entdeckung eines Planeten um den Stern 51 Pegasi. Es war der Beginn einer neuen Ära. Es folgten Dutzende, dann Hunderte weitere Sterne mit „Exoplaneten“, wie sie bald hießen. Fast alle sind Gaskugeln ähnlich dem Jupiter, und viele kreisen auf engeren Bahnen als der Merkur, der innerste Trabant der Sonne.

          Speziell für die Planetensuche entwickelt

          Leben ist auf keinem davon auch nur entfernt möglich. Doch bessere Beobachtungen versprachen, irgendwann auch kleineren Welten auf die Spur zu kommen, und welchen, die wie die Erde in einer „habitablen Zone“ kreisen, in der es weder zu heiß noch zu kalt für biologische Aktivitäten ist. Von dieser Aussicht beschwingt, wurde die extrasolare Planetenkunde das dynamischste Teilgebiet der Astronomie. Ihr Erfolg lässt sich beziffern: Anfang vergangener Woche betrug die Zahl der sicher nachgewiesenen Exoplaneten 482. Am Ende derselben Woche waren es bereits 490.

          Denn inzwischen waren gleich zwei neue Planetensysteme hinzugekommen. So gab ein vierzigköpfiges Team in der Online-Ausgabe von Science die Entdeckung von zwei, vielleicht drei Planeten im Orbit um einen sonnengroßen Stern im Sternbild Leier mit dem amerikanischen Weltraumteleskop „Kepler“ bekannt.

          Kepler wurde speziell für die Planetensuche entwickelt. Seit März 2009 ist das Teleskop starr auf die Himmelsgegend der Sternbilder Schwan, Leier und Drache gerichtet und überwacht gut 100.000 Sterne daraufhin, ob sich nicht der eine oder andere von ihnen regelmäßig etwas verfinstert. Dazu kann es kommen, wenn ein Stern einen oder mehrere Trabanten besitzt, deren Bahnebene zufällig in Keplers Sichtlinie liegt. Gezielte Nachbeobachtungen mit erdgebundenen Teleskopen können dann überprüfen, ob es wirklich ein sogenannter Transit, also das Vorüberziehen eines Planeten war, der die regelmäßigen Finsternisse verursacht, und nicht etwa Flecken auf der rotierenden Oberfläche des Sternes.

          400 aufregende, noch geheime Sterne

          Denn nur ein Planet zerrt außerdem noch an seinem Stern herum, so dass dieser im Takt des Umlaufs leicht wackelt, was sich dann in periodischen Verschiebungen des Lichtspektrums bemerkbar macht. Dieses spektrale Wackeln (englisch Wobble) ist winzig, aber seit 1995 messbar. Der Planet um 51 Pegasi und die meisten anderen bisher bekannten Exoplaneten waren allein mit dieser Methode entdeckt worden, denn sie funktioniert oft auch dann, wenn die Bahnebene nicht in der Sichtlinie zur Erde liegt. Allerdings kann man daraus nur einen Mindestwert für die Masse des Planeten ableiten. Das ist einer der Gründe, warum Kepler nach Transits Ausschau hält, auch wenn jeder Kandidat mit der Wobble-Methode nachbeobachtet werden muss und statistisch nur etwa eines von 200 Planetensystemen die richtige Orientierung zur Erde aufweist.

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