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Weltraumforschung : Die Dritte Welt will ins All

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Ersehnte Unterstützung vom Staat

Das hängt von den Zielen ab, die man verfolgt. Unser Ziel ist es, Wissenschaft für Wandel zu benutzen, für reduzierte Armut, eine große Forschungsgemeinschaft, die auch international vernetzt ist. So haben wir die Regierung überzeugt, die uns jetzt sehr unterstützt.“ Zwar sind wichtige Ministerien wie das für Technologie oder das für Bildung positiv eingestellt, der Großteil der Finanzen jedoch kommt von den etwa 1500 Mitgliedern der ESSS selbst sowie von privaten Investoren wie dem reichsten Mann Äthiopiens, Sheikh Alamudin.

Ausbildung und Infrastruktur

Fachliche und technische Unterstützung kommt vor allem von der Internationalen Astronomischen Union, der Äthiopien im August vergangenen Jahres als fünftes Land Afrikas beigetreten ist. Kevin Govender, Direktor des Office Astronomy for Development (IAU-OAD) mit Sitz in Südafrika ist beeindruckt von den Fortschritten, die Äthiopien bisher gemacht hat. „Äthiopien ist eines der führenden Länder in Afrika in diesem Sektor, weil es in das Entoto-Forschungszentrum investiert. Die meisten anderen Länder fokussieren auf Ausbildung, aber nur wenige bauen Infrastruktur“, berichtet er.

Knowhow aus Südafrika

In Südafrika steht das einzige andere optische Teleskop in Afrika. Regelmäßig werden von dort Experten entsendet, die beim Aufbau des Observatoriums in Addis Abeba helfen. Auch bei Konferenzen und Ausbildungsprogrammen wird Äthiopien unterstützt. Das Ziel ist, Äthiopien zum regionalen Wissenschaftsstandort auszubauen und Ressourcen ostafrikanischer Länder am Entoto-Forschungszentrum zu bündeln. Govender ist froh, dass Äthiopien diesen großen Schritt geht und sich ein Weltraumforschungszentrum leistet: „Einmal abgesehen von der internationalen Anerkennung für ein Land, das in der Lage ist, Weltklasseforschung zu betreiben, geht es darum, die nächste Generation afrikanischer Wissenschaftler zu inspirieren. In vielen afrikanischen Ländern werden immer nur die aktuellen Herausforderungen angegangen. Um aber zur Wurzel der Herausforderungen vorzudringen, brauchen wir lösungsorientierte Gesellschaften.“

Der Traum vom ersten äthiopischen Satelliten

Zuversichtlich ist Govender daher auch hinsichtlich des neuesten und ambitioniertesten Vorhabens der äthiopischen Weltraumforscher. In nur zwei Jahren könne der erste äthiopische Kommunikationssatellit im Orbit kreisen, berichtete unlängst die Lokalpresse. Ganz so schnell wird es dann aber doch nicht gehen. Zwar hat sich das Addis Abeba Institute of Technology auf ein von der Europäischen Kommission gefördertes Projekt beworben, das Ende 2014 bis zu 50 Kleinstsatelliten, sogenannte „CubeSat“ in die Ionosphäre befördern will. Inzwischen hat das Institut aber die Bewerbung zurückgezogen.

„Wir sehen es als nicht mehr vernünftig an, da der CubeSat nach nur drei Monaten in der Atmosphäre verbrennen, uns aber bis zu 200 000 Euro kosten würde“, sagt Getahun Mekuria, der stellvertretende wissenschaftliche Direktor des Instituts, der in Duisburg promoviert wurde. „Inzwischen planen wir in größeren Dimensionen.“ Eine äthiopische, kleine Nasa soll geschaffen werden, die Labore unterhalten soll. „Dort können wir dann einen großen Satelliten bauen, der länger in der Atmosphäre bleibt und viele Funktionen hat. Das allerdings wird noch fünf, sieben oder zehn Jahre dauern“, sagt Mekuria.

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