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Weltraum : Stets Gefahr durch Schrott im All

  • -Aktualisiert am

Atlantis: Schon die Kollision mit einer kleinen Schraube kann gefährlich werden Bild: AP

Auch kleinste Teile ausgedienter Satelliten und anderer herumfliegender Weltraumschrott können bei der Kollision mit Raumfähren ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Das hat jüngst der Fall Atlantis gezeigt.

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          Seit der amerikanische Space shuttle Columbia am 1. Februar 2003 bei der Rückkehr zur Erde auseinandergebrochen ist, sind sich nicht nur die Techniker der Nasa der Gefahren bewußt, die den Raumfähren durch die Kollision mit Bruchstücken des Schaumstoffs droht, der während des Starts die tiefgekühlten Tanks mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff isoliert.

          Dadurch ist eine andere Kollisionsgefahr in jüngerer Zeit verdrängt worden. Im erdnahen Weltraum befinden sich große Mengen an Schrott, die ständig weiter anwachsen. Eines der Schrotteilchen hat im vergangenen Monat ein Loch mit ungefähr 2,5 Millimeter Durchmesser in den sogenannten Radiator der Raumfähre Atlantis gerissen. Wäre das Teilchen an einer kritischeren Stelle eingeschlagen, wären die Folgen fatal gewesen.

          Ausgebrannte Raketenstufen

          Der Weltraumschrott umfaßt ausgebrannte Raketenstufen und ausgediente Satelliten, aber auch kleine Partikeln wie Bolzen und Schrauben sowie Teile, die beispielsweise durch die Explosion von Treibstoff-Rückständen in den ausgebrannten Raketenstufen entstehen.

          Die mindestens zehn oder fünfzehn Zentimeter großen Stücke können von der Erde aus beobachtet werden, so daß man der Shuttle-Crew eine Warnung zukommen lassen kann und ein Ausweichmanöver möglich ist. Die kleineren Partikeln bleiben hingegen unerkannt.

          Auf Kollisionskurs

          Normalerweise fliegen die Schrotteilchen auf ganz anderen Bahnen als jener, auf der sich ein Shuttle gerade befindet. Dadurch nähern sie sich mit Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Sekunde und schlagen, wenn sie sich auf Kollisionskurs befinden, mit großer Wucht ein.

          Deshalb stellen auch kleine Teile ein erhebliches Risiko dar. Schon mehrmals sind Raumfähren von Schrott getroffen worden, allerdings von so winzigen Partikeln, daß allenfalls mal Sprünge in den Frontscheiben entstanden. Das Teilchen, das das jetzt bei der Atlantis gefundene Loch erzeugt hat, gilt als jenes mit der zweitgrößten Zerstörungskraft im gesamten Shuttle-Programm.

          Kein Angriffspunkt

          Der diesmal getroffene Radiator ist ein plattenförmiges Bauelement, das im Weltraum zusammen mit den großen Toren der Nutzlastbucht ausgeklappt wird. Er hat die Aufgabe, die von den Shuttle-Systemen erzeugte Wärme in den Weltraum abzustrahlen, wodurch eine Überhitzung vermieden wird.

          Das Teilchen hat den Radiator an der Einschlagstelle bis in mehr als 1,2 Zentimeter zerstört - zum Glück an einer unkritischen Stelle. Dadurch, daß der Radiator am Ende der Mission wieder eingefahren wird, hat er der beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entstehenden Hitze keinen Angriffspunkt geboten.

          Kühlkreislauf beschädigt

          Wäre bei der Kollision eine der Röhren getroffen worden, durch die das Kühlmittel (Freon-22) geleitet wird, wäre der Kühlkreislauf unterbrochen worden, und die Atlantis hätte auf schnellstmöglichem Weg zur Erde zurückkommen müssen.

          Beinahe wäre dieses Mißgeschick der Raumfähre Columbia passiert - im März 2002 bei ihrem letzten erfolgreichen Flug vor dem Absturz. Damals hatte ein kleines Stück Weltraumschrott tatsächlich den Kühlkreislauf beschädigt. Weil die kritische Grenze knapp unterschritten worden ist, wurde der Flug fortgeführt.

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