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Radioastronomische Entdeckung : Schatten eines Giganten

Diese Simulation zeigt die Akkretionsscheibe des in das Loch stürzenden Gases. Blau dargestellt sind die zur Scheibe senkrecht stehenden Jets, in denen Gas mit hohen Geschwindigkeiten abgestoßen wird. Bild: L.R. Weih, L. Rezzolla / Goethe Universität Frankfurt

Das Event Horizon Telescope hat das erste Bild eines Schwarzen Lochs veröffentlicht. Die Beobachtung ist nicht nur wissenschaftlich wegweisend. Sie zeigt auch, dass sich die europäischen Astronomen nicht verstecken müssen.

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          Der Bereich dessen, was wir Menschen direkt beobachten können, hat sich ein weiteres Mal vergrößert. Das Event Horizon Telescope (EHT) hat zum ersten Mal ein Bild des „Schattens“ eines Schwarzen Lochs aufgenommen. Die Existenz der von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie vorhergesagten extremen Objekte, deren kompakte Masse die Raumzeit so stark krümmt, dass nicht einmal Licht ihnen entkommen kann, wurde viele Jahre lang angezweifelt – auch Einstein selbst hielt sie für ein theoretisches Konstrukt ohne reale Entsprechung.

          In den vergangenen Jahrzehnten verdichtete sich aber die Überzeugung, dass Schwarze Löcher einerseits Endstadien im Leben massereicher Sterne darstellen und andererseits in sehr viel größerer Form im Zentrum fast aller Galaxien existieren. Ein solches zentrales supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der elliptischen Galaxie M87 ist nun durch seinen Schatten vor dem ringförmigen Hintergrund des ihn umgebenden Gases bei Radiowellenlängen sichtbar geworden.

          Aber was bedeutet das für uns Erdbewohner? Zunächst stellt das Resultat eine bemerkenswerte wissenschaftliche Leistung dar. Die jetzt angewandte Methode hat das Potential, künftig Schwarze Löcher auf völlig neue Weise erforschen zu können. Schwarze Löcher wiederum gelten als aussichtsreiche Kandidaten, um uns die entscheidenden Hinweise für die Entwicklung einer umfassenden physikalischen Theorie zu liefern – einer Theorie, die sowohl den Mikro- als auch den Makrokosmos beschreiben kann. Ihr Studium kann daher vielleicht Wege zu einer Theorie weisen, von der Einstein träumte, und an der seither Generationen von Physikern scheiterten.

          Das Resultat ist aber gleichzeitig eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was wissenschaftliche Zusammenarbeit zu leisten vermag, wenn Akteure auf der ganzen Welt sich einem gemeinsamen Ziel verschreiben. Insbesondere ist hervorzuheben, dass der Beitrag Europas zu dieser Entdeckung neben dem der finanzstarken amerikanischen Partner alles andere als nachrangig ist. Natürlich muss man sagen: Für unseren Alltag sind Schwarze Löcher ziemlich irrelevant. Doch unser Staunen über den Kosmos ist seit Jahrtausenden etwas, das uns Menschen als solche definiert.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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