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Verschwörungstheorien : Check, Check – und Dreifach-Check!

Neu entdeckt im Jahr 2018: unser roter Nachbarplanet Bild: dpa

Skeptiker liegen im Trend – und schrecken kaum davor zurück, die offensichtlichsten Dinge anzuzweifeln. Immerhin gibt es Himmelstatsachen, auf die wir uns verlassen können. Eine Glosse.

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          Worauf kann man sich heute überhaupt noch verlassen? Es sind doch sowieso alle korrupt und interessengeleitet und in Verschwörungen großen Stils involviert – so raunt es durch die sozialen Netzwerke. Descartes Aufruf zum methodischen Zweifel hat Hochkonjunktur. Und schreckt dabei auch nicht vor Tatsachen zurück, die uns maximal unverdächtig erscheinen. Die Kugelform der Erde etwa, deren Existenz von einer ganzen Bewegung, der „Flat Earth Society“, in Frage gestellt wird – eine Gesellschaft, die sich laut eines vielfach geteilten Facebook-Posts damit rühmt, Anhänger „auf dem gesamten Globus“ zu besitzen. Die Echtheit dieser entlarvenden Äußerung kann ihrerseits angezweifelt werden. Nicht aber die Existenz der Globus-Skeptiker selbst.

          Einer von ihnen, der Amerikaner Mike Hughe hat die Aufklärung der Frage nach der Gestalt der Erde am vergangenen Wochenende selbst in die Hand genommen und mit einer selbstgebauten Rakete in der kalifornischen Mojave-Wüste einen ersten Testflug unternommen, um die Erde von oben zu sehen. Eine Höhe von knapp 600 Metern erreichte er dabei. Offenbar nicht genug, um die Gestalt der Erde endgültig zu aufzuklären – Folgemissionen sind bereits geplant. Was will man von denen aber erwarten? Auch Hughes hat schließlich eine ganz bestimmte Agenda. Ein unvoreingenommener Test sieht anders aus.

          Als Paradebeispiel vorurteilsfreier Empirie kann man demgegenüber eine astronomische Beobachtung anführen, die ebenfalls vergangene Woche stattgefunden hat. Der südafrikanische Kosmologe Peter Dunsby hatte im „Astronomer’s Telegram“, einem Online-Portal zur Bekanntgabe astronomisch relevanter Ereignisse, eine ungewöhnliche Himmelserscheinung gemeldet. Am 20. März um 1 Uhr Universal Time war ein außerordentlich helles, flüchtiges Objekt in der Region zwischen Lagunen- und Trifidnebel aufgetaucht. Auf früheren Aufnahmen dieser Himmelsgegend fehlte diese Quelle. „Weitere Beobachtungen sind dringend empfohlen, um die Natur dieses Objekts zu klären“, wandte sich Dunsby an seine Kollegen.

          Die folgten dem Aufruf. Und sorgten für eine schnelle Auflösung des Falles: Wie sich herausstellte, hatte Dunsby den Planeten Mars entdeckt. Nicht als Erster zwar, aber immerhin völlig unabhängig. Erkenntnistheoretisch hat das große Überzeugungskraft. Dunsby war der Vorfall trotzdem unangenehm: „Heutige Lektion: Check, Check, Dreifach-Check und dann nochmal checken“, konstatierte er auf Twitter. Die vorschnelle Veröffentlichung hatte aber doch auch etwas Gutes: Zumindest die Existenz von Mars können wir jetzt beim besten Willen nicht mehr anzweifeln.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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