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Esa-Satellit Sentinel-2 im All : Der zweite Wächter ist auf seinem Posten

Bild: AFP

Eine Vega-Rakete hat in der Nacht zum Dienstag den europäischen Satelliten Sentinel-2A erfolgreich ins All geschossen. Für die Esa gab es gleich zweimal Grund zum Jubel.

          Flug Nummer VV05 startet in Französisch-Guayana mit einem grellen Blitz. Zwölf Kilometer von der Abschussrampe der Vega-Rakete entfernt auf der Terrasse des „Jupiter“-Kontrollzentrums sehen die Zuschauer um 22:51 Uhr Ortszeit (3:51 Uhr MESZ) zunächst einen großen weißen Lichtball, dann wird aus dem Ball ein heller Pfeil, der überraschend langsam in den Nachthimmel über dem Weltraumbahnhof in Kourou aufsteigt und schließlich als kleiner Punkt verschwindet.  

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Doch im Kontrollzentrum ist die Anspannung noch nicht von den Ingenieuren der Europäischen Weltraumorganisation Esa abgefallen. Erst als sich die teure Last, der Sentinel-2A-Satellit, 55 unendlich erscheinende Minuten nach dem Start um 23:46 Uhr in 786 Kilometern Höhe vom letzten Raketenteilstück trennt, jubeln die Satellitenbauer. Und als weitere 20 Minuten später klar ist, dass sich auch das Sonnensegel ausgeklappt hat, sagt Volker Liebig, der bei der Esa für die Erdbeobachtung verantwortlich ist, im Gespräch mit FAZ.NET: „Ich war sehr nervös, es ist immer noch etwas anderes, einen Satelliten ins All zu bringen, als einen Bus zu starten, jetzt haben wir eine Mission.“ Copernicus sei ein gutes Beispiel dafür, was Europa erreichen könne, wenn man zusammenarbeite.

          Auf der Abschussrampe, ein paar Tage vor dem Start: Die Vega-Rakete mit Satellit Sentinel-2A Bilderstrecke

          Sentinel-2A (englisch: Wächter) gehört zu einer Serie von zehn Erdbeobachtungssatelliten aus dem Copernicus-Programm der Europäischen Kommission, die bis 2021 um die Erde kreisen sollen, um umfassendes Material über Entwicklung und Nutzung des Planeten zu sammeln. Vor einem Jahr wurde mit dem Radarsatelliten Sentinel-1A der erste Beobachter der Serie ins All geschickt.

          „So etwas hat es noch nie gegeben“, sagt Albert Zaglauer von Airbus Space and Defense aus Friedrichshafen über den Sentinel-2A. „Die Kombination aus der Breite des Bildes, der hohen Auflösung und der vielen Spektralfarben ist weltweit einmalig.“ Einen 290 Kilometer breiten Streifen filmt der Satellit ab, beinahe von Pol zu Pol. Dann nimmt er sich den nächsten Streifen vor und kann so alle Landflächen der Erde mit ihren Binnengewässern in zehn Tagen dokumentieren. Dabei nimmt der Satellit nicht nur die für das menschliche Auge sichtbaren Farben auf, sondern auch den Infrarot-Bereich. Das ermöglicht beispielsweise Bilder, die über den Zustand und das Wachstum von Pflanzen Aufschluss geben. Ein anderer Einsatzbereich können Erdbeben oder Überflutungen sein. Sentinel-2A kann dann schneller aktuelle Bilder liefern, um Schäden zu dokumentieren und Helfer zu dirigieren, als jeder andere Satellit zuvor.

          Doch ganz unumstritten ist das Copernicus-Programm nicht. Weil die Satelliten auch zu Kontrolle der europäischen Außengrenzen eingesetzt werden könnten, gibt es Kritik, sie seien ein Teil der europäischen Abschottung.

          Beobachtungssatelliten Sentinel

          Die zehn Satelliten der Sentinel-Serie:

          - Sentinel-1A (gestartet 2014) und 1B (für 2016 geplant) sollen hochauflösende Radarbilder der Oberfläche von Land und Meeren liefern.

          - Sentinel-2A (Start an diesem Dienstag) und 2B (2016) sind auf hochauflösende Spektralbilder der Landoberfläche spezialisiert.

          - Sentinel-3A (2015) und 3B (2017) sollen Temperaturen von Land und Meer messen und großflächige Spektralbilder und Radaraufnahmen erstellen.

          - Sentinel-4 (2021) wird in der Atmosphäre Spurengase wie Ozon oder Stickstoffdioxid messen.

          - Sentinel-5 und 5 Precursor (beide 2016) messen Aerosole und Spurengase in der Atmosphäre.

          - Sentinel-6 (2020) beobachtet die Entwicklung des Meeresspiegels.

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