https://www.faz.net/-gwz-7nr3x

Außergewöhnlicher Himmelskörper : Asteroid mit Heiligenschein

Der Asteroid Chariklo ist von einem filigranen Ringsystem umgeben. Als er am 3. Juni 2013 vor einem Stern vorbeizog, minderte auch dieses Ringsystem die Helligkeit des Sterns auf ungewöhnliche Weise. Bild: Eso/L. Calçada/Nick Risinger

Astronomen der Eso beobachten erstmals ein Ringsystem um einen Asteroiden. Ein sensationeller Zufallsfund jenseits des Saturn.

          2 Min.

          Per Zufall ist eine Astronomengruppe der Europäischen Südsternwarte (Eso)  auf einen außergewöhnlichen Asteroiden am Rande des Sonnensystems gestoßen. Der Himmelskörper mit dem Namen Chariklo, der auf einer Bahn zwischen den Planeten Saturn und Uranus um die Sonne kreist, hat offenkundig ein Ringsystem – ein Merkmal, das man bislang nur von den Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun kannte.Von dieser Entdeckung verkündete  Felipe Braga-Ripas vom Nationalen Observatorium in Rio de Janeiro und seine Kollegen an diesem Mittwochabend auf einer Pressekonferenz in Rio.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Mit einem Durchmesser von nur 250 Kilometern ist der Asteroid „Chariklo“ der bei weitem kleinste Himmelskörper, bei dem bislang ein Ringsystem gefunden wurde. Der Ursprung der Ringe ist rätselhaft  möglicherweise entstanden sie aus Trümmerteilen früherer Zusammenstöße, schreiben die Wissenschaftler um Braga-Ripas,  darunter Forscher  des Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), auch in der Zeitschrift „Nature“. Ringsysteme kannten die Astronomen bislang nur von den vier großen Gasplaneten, wobei besonders die prächtigen Ringe des Saturn einen eindrucksvollen Anblick bieten. Neben diesen vier Riesenplaneten im äußeren Sonnensystem ist Chariklo nun der fünfte bekannte Himmelskörper mit Ringen. Der Asteroid, der zur Gruppe der sogenannten Zentauren gehört, ist den Forschern zufolge von zwei dünnen Ringen aus Eispartikeln umgeben.

          Überraschung kam bei der Sternbedeckung

          Die Entdeckung der Chariklo-Ringe ist den Astronomen mit sieben Teleskopen in Südamerika gelungen – darunter die Instrumente des La-Silla-Observatoriums der Eso in Chile. Bei ihrer Beobachtungskampagne kam ihn eine seltenen Sternbedeckung  zu gute, bei der sich Chariklo am 3. Juni 2013 von der Erde aus gesehen vor einen Stern schob. „Wir haben nicht gezielt nach einem Ring gesucht und haben nicht einmal gedacht, dass so kleine Himmelskörper wie Chariklo welche besitzen könnten“, erklärt Braga-Ribas. „Somit war die Entdeckung des Ringsystems – und die verblüffende Menge an Details, die wir im Ringsystem sehen  eine vollkommene Überraschung.“

          Eine Lücke von nur neun Kilometern trennt den inneren helleren Ring vom äußeren.

          Die Wissenschaftler hatten die Sternbedeckung  ursprünglich dazu nutzen wollen, die Größe von Chariklo  zu bestimmen. Aus der Zeit zwischen der Bedeckung des Sterns durch ein  Objekt und seinem Wiederauftauchen lässt sich auf dessen  Größe schließen. Zur Überraschung der Astronomen  verschwand der Stern jedoch nicht nur einmal für kurze Zeit. Auch einige Sekunden davor und danach nahm seine Helligkeit sprunghaft ab. Für die Wissenschaftler war das ein Hinweis  dafür, dass noch etwas um den Asteroiden herum sein musste.

          Eine kosmische Ausnahmeerscheinung?

          „Die Analyse aller Beobachtungsdaten ergab ein überraschendes Ergebnis“, berichtete Colin Snodgrass vom MPS. „Chariklo muss von einem Ringsystem umgeben sein.“ Die Messungen am dänischen 1,54-Meter-Teleskop der Eso in La Silla lieferten  ein besonders präzises Bild: Die Daten zeigen ein Ringsystem, das aus zwei deutlich getrennten Strukturen besteht. „Beide Ringe sind sehr dünn, aus astronomischer Sicht geradezu filigran“, erläuterte Snodgrass. Eine Lücke von nur neun Kilometern trennt demnach den inneren vom äußeren Ring.

           Ob Chariklo eine Ausnahme ist, können die Astronomen noch nicht sagem.  Im dicht bevölkerten Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter, in dem sich wahrscheinlich mehr als eine Million kleinere und größere Brocken tummeln, hält man die Existenz weiterer „beringter“ Asteroiden allerdings für unwahrscheinlich. „Im Vergleich zu den Gasplaneten haben diese kleinen Körper nur ein minimales Schwerefeld, das die Bestandteile der Ringe an sie bindet“, erklärt Snodgrass.

          Ein dicht vorbeiziehender Körper würde das gesamte System destabilisieren. Jenseits des Jupiters wird es hingegen deutlich einsamer. „Möglicherweise findet sich unter den Zentauren in den nächsten Jahren noch weitere, die Chariklo gleichen“.

          Weitere Themen

          Ferner Besuch

          Interstellar : Ferner Besuch

          Die Entdeckung des zweiten interstellaren Eindringlings war eine freudige Überraschung für die Astronomie. Jetzt würde man zu gerne eine Raumsonde hinschicken.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.