https://www.faz.net/-gwz-7xlkl

Überraschungsfund auf dem Mars : Der Rote Planet verdampft Methan

Bild: dpa

Der Marsrover „Curiosity“ hat Methangas in der dünnen Lufthülle des Roten Planeten gemessen. Woher stammt der einfache Kohlenwasserstoff, den auf der Erde überwiegend Mikroorganismen erzeugen?

          2 Min.

          Der Mars stößt offenkundig hin und wieder Methanwolken aus, die sich recht schnell wieder verflüchtigen. Der Forschungsroboter „Curiosity“, der seit August 2012 die Oberfläche des Roten Planeten erkundet, hat in den vergangenen 20 Monaten mehrere solcher Ausbrüche in seinem Operationsgebiet, dem Gale-Krater, nachgewiesen. Die Konzentration der einfachsten organischen Verbindung schnelle kurzzeitig bis auf das Zehnfache in die Höhe, berichten Forscher um Christopher Webster vom Jet Propulsion Laboratory der amerikanischen Raumfahrtbehörde „Nasa“ in der Zeitschrift „Science. Der Befund legt nahe, dass es im Gale-Krater eine unbekannte Methanquelle gibt.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Vor zehn Jahren sorgte eine Meldung vom Mars für großes Aufsehen. Ein Spektrometer an Bord der europäischen Raumsonde „Mars Express“ hatte in der dünnen Gashülle des Roten Planeten Methan nachgewiesen und frühere Befunde von irdischen Teleskopen bestätigt. Die Aufregung war begründet: Schließlich gilt das einfachste organische Molekül als wichtiger Biomarker. Auf der Erde stammt das Methan in der Atmosphäre zum überwiegenden Teil aus biologischen Prozessen. Es stellte sich folglich die Frage:  Ist der Mars also doch nicht so ein toter Planet, wie man glaubt? Später erhärteten sich die Hinweise durch die positiven Befunde amerikanischer Raumsonden.

          Mysteriöser Gasausstoß im Gale-Krater

          Groß war die Enttäuschung unter den Planetenforschern, als der Marsrover „Curiosity“ kurz nach seiner Ladung jedoch keine nennenswerten Methanmengen in der Marsatmosphäre aufspüren konnte. Die gemessene Konzentration belief sich nur auf ein Sechstel der geschätzten Menge. Nach den jüngsten Befunden des rollenden Forschungslabors dürften die Wissenschaftler wieder erleichtert sein. In der Lufthülle des Mars gibt es tatsächlich Methan, allerdings nur von Zeit zu Zeit.

          Die Nasa-Forscher um Christopher Webster haben den Methangehalt über einen längeren Zeitraum in der Marsatmosphäre im Gale-Krater untersucht. Zwanzig Monate war das Laserspektrometer des SAM-Instruments von „Curiosity“ dafür aktiv. Die meiste Zeit war die Methankonzentration aber nur etwa halb so hoch, wie man erwartete. Dann schnellte der Gehalt jedoch kurzzeitig etwa 60 Marstage lang bis um das Zehnfache in die Höhe, um anschließend wieder rasch  abzunehmen.

          Geologische Quellen als Ursache?

          Der Befund ist überraschend: In der Erdatmosphäre hat ausgestoßenes Methangas eine Lebensdauer von etwa 300 Jahren. Aus der kurzen Lebensdauer auf dem Mars schließen Webster und seine Kollegen, dass sich in der Nähe von „Curiosity“ eine Methanquelle befindet, an der das Gas produziert und ausgestoßen werde, und sich dann rasch in der Umgebung verteilt. Welcher Art diese Quelle ist, können die Forscher allerdings noch nicht sagen. Direkte Hinweise auf biologische Aktivität haben sie jedenfalls nicht gefunden, so dass Mikroorganismen als Quelle ausscheiden. Methan kann auf dem Mars jedoch auch auf andere Weise entstehen, etwa durch aktive Vulkane, geochemische Prozesse oder durch die Zersetzung kohlenstoffreicher Staubpartikeln oder Meteoriten durch ultraviolette Strahlung.

          Der kleinwagengroße Roboter hat auf dem Roten Planeten bereits acht Kilometer zurückgelegt und zahlreiche wissenschaftliche Daten und Fotos zur Erde geschickt. Er überstand während seiner Mission schon Stürme, Computerpannen und Kurzschlüsse.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Wahl Laschets : Söder hat keine Eile in Sachen Kanzlerkandidatur

          Markus Söder warnt nach dem CDU-Parteitag vor einem „Frühstart“ bei der K-Frage und nennt einen für ihn geeigneten Zeitpunkt. Die Grünen machen klar, dass sie im Wahlkampf die Unterschiede zur Union betonen wollen – trotz Aussichten auf eine Koalition.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.