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Rückkehr von der ISS : SpaceX-Kapsel ist sicher im Golf von Mexiko gelandet

  • Aktualisiert am

Vier Fallschirme haben die Dragon-Kapsel auf dem Weg zur Erde abgebremst, bevor sie im Golf von Mexiko landete. Bild: dpa

Das Unternehmen von Elon Musk schreibt ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte: Erster bemannter Raumflug in einem Raumfahrzeug eines Privatunternehmens.

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          „Herzlich willkommen, und danke, dass Sie mit SpaceX geflogen seid", begrüßte der Flugdirektor des Unternehmens die beiden Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley, als sie an Bord der Dragon-Kapsel wieder die Erde erreicht hatten. „Es war eine Ehre und ein Privileg“, antwortete Hurley. Beiden Astronauten ging es offenbar gut. Nach einiger Verzögerung stiegen die Astronauten lächelnd und mit den Daumen nach oben aus der Kapsel aus.

          Die am 30. Mai ins All gestarteten Astronauten hatten eine heftige Landung zu überstehen: Von einer Orbit-Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde bremsten sie zunächst beim Eintritt in die Erdatmosphäre auf 560 km/h und beim durch vier Fallschirme vor dem Aufprall auf das Wasser noch auf rund 25 km/h ab. Größte Hitze außen beim Landeanflug: 1900 Grad Celsius.

          Zwei Monate nach dem ersten bemannten Start des von der Privatfirma SpaceX entwickelten Raumschiffs „Crew Dragon“ zur ISS sind die beiden amerikanischen Astronauten wie geplant um 20.48 Uhr im Golf von Mexiko gelandet. Weil die Landung auf dem Wasser wegen eines Wirbelsturms notwendig war, sprach die Nasa auch von einem „Splashdown“. Es ist die erste Wasserlandung seit 45 Jahren und die erste im Golf von Mexiko.

          Eine halbe Stunde nach dem Aufprall auf dem Wasser wurde die Kapsel auf das SpaceX-Bergungsschiff gehievt. Allerdings verzögerte das Auftreten giftiger Gase den Ausstieg der Astronauten. An der Landestelle wartete ein Bergungsschiff mit 40 Besatzungsmitgliedern auf die Astronauten, darunter Ärzte und medizinisches Personal. Die Besatzung war angesichts der Corona-Pandemie seit zwei Wochen in Quarantäne gewesen.

          Liveübertragung der NASA

          Bis zuletzt hatte das Wetter wegen des Wirbelsturms „Isaias“ in der Region Sorgen gemacht. Allerdings sollte das Tiefdruckgebiet an der östlichen Küste Floridas entlang ziehen – hunderte Kilometer entfernt von Pensacola.

          „Das ist der Beginn einer neuen Ära menschlicher Raumflüge, in der die Nasa der Kunde sein wird“, sagte Nasa-Chef Jim Bridenstine kurz vor der Landung im Johnson Space Center in Houston. Die letzte von der Nasa betriebene Raumfähre landete 2011. Danach mottete die Nasa ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen ein und war seither für Flüge zur ISS auf Russland angewiesen. Das war mit rund 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel nicht nur teuer, sondern kratzte auch mächtig am Ego.

          Eigentlich waren eigene Flüge aus den Vereinigten Staaten zur ISS von der Nasa schon für 2017 angekündigt gewesen – im Zuge technischer Probleme, Finanzierungsschwierigkeiten und Umstrukturierungen nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten wurde das Projekt aber immer weiter aufgeschoben. Dieser gratulierte bereits wenige Minuten nach der Landung. Auf Twitter schrieb der Präsident: „Es ist toll, wenn Nasa-Piloten nach zwei sehr erfolgreichen Monaten zur Erde zurückkehren. Danke an alle!“

          Ende September soll bereits die nächste SpaceX-Mission zur ISS beginnen, die mit vier Astronauten sechs Monate dauern soll. Hurleys und Behnkens Kapsel soll für einen weiteren Flug im nächsten Frühjahr wieder hergerichtet werden. Und im Herbst 2021 will eine von einem früheren Nasa-Mitarbeiter gegründete Firma drei Kunden mit SpaceX zur ISS schicken. Musks Firma triumphiert mit der geglückten ersten Mission auch über Wettbewerber Boeing: Dessen erster bemannter Flug mit dem „Starliner“-Projekt ist wegen Software-Problemen bis nächstes Jahr verschoben.

          Unterdessen teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit, dass Ende kommenden Jahres wieder zwei Touristen zur ISS fliegen sollen. Sie sollen demnach vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben. Ihre Namen wurden zunächst nicht genannt. Die Raumfahrtbehörde hatte für den Tourismus ins All einen Vertrag mit dem spezialisierten amerikanischen Unternehmen Space Adventures unterschrieben. Derartige Reisen zur ISS gibt es seit 2001. Der erste von bisher sieben Weltraum-Touristen war der Multimillionär Dennis Tito aus den Vereinigten Staaten.

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