https://www.faz.net/-gwz-t2gh

Space Shuttle : Gewitter gefährden Start der Raumfähre Atlantis

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zur ISS: Brent Jett (l.) und Chris Ferguson Bild: AP

Der für Sonntag geplante Start der Raumfähre Atlantis zur Raumstation ISS wird wegen heraufziehender Schlechtwetterfronten zu einer Zitterpartie. Derzeit bestehe nur eine Chance von 40 Prozent für den Lastenflug.

          3 Min.

          Zum erstenmal seit nahezu vier Jahren werden Astronauten in der kommenden Woche die Internationale Raumstation um ein großes Segment erweitern. Mit dem für Sonntag, 22.38 Uhr (MESZ), vorgesehenen Start der Raumfähre Atlantis will die amerikanische Weltraumbehörde Nasa die seit dem Verlust der Columbia unterbrochenen Lastenflüge zur Raumstation wiederaufnehmen.

          Allerdings wird der Start der Atlantis wegen heraufziehender Schlechtwetterfronten zu einer Zitterpartie. Angesichts drohender Gewittergefahr und starker Winde bestehe derzeit nur eine Chance von 40 Prozent für einen Start, sagte Nasa-Meteorologin Kathy Winters am Samstag in Cape Canaveral (Florida).

          Besuch für Thomas Reiter

          Die sechs Astronauten an Bord der Atlantis sind dabei auch gleichzeitig die ersten Besucher, die der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter in seiner „Wohnung“ empfangen wird.

          Das erste Segment der Raumstation, das russische Kontrollmodul Zarja, wurde im November 1998 von einer russischen Protonrakete in eine Umlaufbahn gebracht. Knapp eineinhalb Jahre später folgte das ebenfalls in Rußland hergestellte Modul Zwesda, der ursprüngliche Lebens- und Arbeitsraum für die Besatzungen der Raumstation. Alle anderen größeren Bauteile für die Station, vom Labormodul Destiny bis zu den vielen Trägern und Sonnenzellen, wurden im Laufe der folgenden vier Jahre von Raumtransportern zur Station gebracht. Insgesamt achtzehnmal fungierten die Raumfähren dabei als Lastwagen ins All. Der letzte dieser Frachtflüge fand Ende November 2002 statt, als die Endeavour einen großen Träger zum Ausbau der Raumstation in den Orbit brachte.

          Mehr als 370 Millionen Dollar teurer Doppelträger

          Im Laderaum der Atlantis sind nahezu 20 Tonnen Baumaterial für die Erweiterung der Station verstaut. Das größte Einzelteil ist ein 17,5 Tonnen schwerer, mehr als 370 Millionen Dollar teurer Doppelträger für Sonnenzellen, mit dem die Astronauten in der kommenden Woche die bestehende Struktur aus Gitterträgern erweitern werden. Anschließend entfalten sie bei einem weiteren Arbeitsgang außerhalb der Raumstation die beiden Sonnenzellenfelder auf dem neuen Träger.

          Insgesamt verleiht dieser Sonnenzellenausleger der Raumstation eine Spannweite von mehr als 80 Metern. Die Sonnenzellen sind in der Lage, bei voller Bestrahlung etwa 66 Kilowatt elektrischer Leistung zu erzeugen. Die Raumstation umkreist die Erde einmal in 90 Minuten. Weil sie bei jedem Umlauf etwa die Hälfte der Zeit durch den Erdschatten fliegt, ist die Produktion von elektrischem Strom nicht kontinuierlich. Vielmehr muß die elektrische Energie jeweils für die Zeit der Beschattung, also die pro Umlauf etwa 45 Minuten dauernde „Nacht“, in Batterien gespeichert werden.

          Atlantis muß unter voller Kraft der Triebwerke starten

          Ein besonders programmierter Kontrollcomputer sorgt dafür, daß unabhängig von der Beleuchtung jeweils genügend Strom mit konstanter Spannung an Bord der Station zur Verfügung steht. Die neuen Sonnenzellen sollen später einmal das europäische Labormodul Columbus und ein japanisches Labor mit Strom versorgen.

          Wegen der großen Nutzlast muß die Atlantis unter voller Kraft der Triebwerke starten. Bei ihren jüngsten beiden Testflügen konnte die Discovery dagegen mit gedrosseltem Schub gestartet werden. Auf diese Weise wurden zahlreiche Vibrationen, die in der Startphase auftreten und oft zum Abreißen von Stücken der Schaumisolierung geführt haben, unterbunden. Dem gedrosselten Schub ist es unter anderem zu verdanken, daß beim jüngsten Flug im Juli, auf dem Thomas Reiter zur Station gelangte, kein nennenswerter Verlust bei der Isolierung auftrat. Am Sonntag wird sich nun herausstellen, ob die neuen Isolierverfahren auch bei einem Start mit vollem Schub standhalten.

          Rückkehr zur Erde für den 8. September geplant

          Das Kommando über diesen 27. Flug der Raumfähre Atlantis führt der 47 Jahre alte Marineflieger Brent Jett. Er ist in den vergangenen zehn Jahren dreimal in den Weltraum geflogen und besuchte dabei auch die inzwischen verglühte russische Raumstation Mir. Als Jetts rechte Hand im Cockpit fungiert der ebenfalls von den Marinefliegern kommende Pilot Christopher Ferguson (45 Jahre). Er fliegt das erste Mal in den Orbit. Ihren Jungfernflug absolviert auch die einzige Frau an Bord, die 43 Jahre alte Heidemarie Stefanyshyn-Piper. Sie wird zweimal Montagearbeiten außerhalb der Raumstation vornehmen.

          Dabei wird sie vom erfahrensten Raumfahrer auf diesem Flug, dem 46 Jahre alten Joseph Tanner, begleitet. Tanner war ebenfalls Marineflieger, gehört aber schon seit 14 Jahren zum festen Astronautencorps der Nasa. Als weiteres Montageteam werden schließlich Dan Burbank und der kanadische Astronaut Steve MacLean zusammenarbeiten. Atlantis soll am Dienstag die Raumstation erreichen. Die Rückkehr zur Erde ist für den 8. September geplant.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Wahlkämpferisch: Donald und Melania Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida.

          Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

          Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.