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Sonnenaktivität : Die Planeten sind rehabilitiert

  • -Aktualisiert am

Ein Sonnenfleck beobachtet mit dem schwedischen 1m-Sonnenteleskop auf La Palma. Bild: MPI für Astrophysik (Garching)

Erde, Mars, Saturn und Co. haben offenkundig keinen Einfluss auf die Aktivität der Sonne. Damit ist ein Befund aus dem vergangen Jahr hinfällig.

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          Für viele Astronomen ist die Welt wieder in Ordnung. Denn der im vergangenen Jahr aus Langzeit-Untersuchungen zur Sonnenaktivität abgeleitete mögliche Einfluss der Planeten auf die Häufigkeit von Sonnenflecken und energiereichen Eruptionen hat sich beim zweiten Hinsehen „in Wohlgefallen“ aufgelöst.

          Im Dezember 2012 hatte die europäische Zeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ den Beitrag einer internationalen Forschergruppe unter Leitung von José Abreu von der ETH Zürich veröffentlicht. Darin berichteten die Wissenschaftler von einer auffälligen Übereinstimmung zwischen den aus Eisbohrkernen abgeleiteten langfristigen Schwankungen der Sonnenaktivität und dem Auftreten von Planetengruppierungen (doi: 10.1051/ 0004-6361/ 201219997).

          Planetenstellung und Sonnenaktivität

          Ein solcher Zusammenhang zwischen der Stellung der Planeten und Störungen im Magnetfeld der Sonne hätte die Sonnenforscher in Erklärungsnöte gebracht. Lange Zeit hindurch war nämlich immer wieder betont worden, dass die Gezeitenkräfte der Planeten auf die Sonne viel zu schwach wären, um solche Veränderungen in den Strömungen unterhalb der Sonnenoberfläche auslösen zu können.

          Als möglichen Ausweg hatten Abreu und seine Kollegen eine andere Wechselwirkungskette analysiert, bei der die Planeten je nach ihrer relativen Stellung zueinander mehr oder weniger Einfluss auf die Bewegung der Grenzschicht zwischen innerer und äußerer Sonnenzone nehmen. Diese sogenannte Tachokline gilt als Quellregion für den Teil des solaren Magnetfeldes, der für die Entstehung der Sonnenaktivität verantwortlich ist. Allerdings betonten die Autoren am Ende ihres Beitrages, dass ihre Schlussfolgerungen zunächst hypothetischen Charakter hätten.

          Jetzt ist in der gleichen Zeitschrift eine Art Gegendarstellung erschienen, in der Robert Cameron und Manfred Schüssler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau die statistischen Methoden ihrer Kollegen als fehlerhaft entlarven (doi: 10.1051/0004-6361/201321713). Richtig angewandt, führten sie zu keiner signifikanten Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Langzeitperioden der Sonnenaktivität und möglichen Planetenansammlungen. Das Fazit von Schüssler und seinen Mitarbeitern: Ein direkter Einfluss der Planetenstellungen auf die Vorgänge im Innern der Sonne lässt sich aus den Daten der Langzeitstudie nicht herauslesen.

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