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Sondensterben : Odysseus kehrt nicht mehr zurück

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Er hielt sich gut, doch nun wird's kalt im Inneren: „Ulysses” in künstlerischer Darstellung Bild: dpa

Die Raumsonde „Ulysses“ wird demnächst außer Dienst gestellt. Ihre Lebenserwartung hatte sie immerhin schon um das Vierfache überschritten und mit den von ihr übermittelten Daten wichtige Erkenntnisse über die Sonne auf den Weg gebracht.

          Nach siebzehn Jahren müssen die Raumfahrtbehörden Esa und Nasa am 1. Juli die Beobachtung der Sonne durch die Sonde „Ulysses“ einstellen. Der 370 Kilogramm schwere Satellit habe seine erwartete Lebensspanne bereits um das Vierfache überschritten und werde nun wegen sinkender Energieproduktion ausfallen. Die Geräte der Sonnensonde werden einfrieren und nicht mehr funktionstüchtig sein.

          Die Wissenschaft verdankt „Ulysses“ eine ganze Reihe wichtiger Erkenntnisse über das Zentralgestirn und dessen Wirkung auf das Sonnensystem. Die Sonde war im Oktober 1990 mit dem Space Shuttle „Discovery“ ins Weltall gebracht worden und erreichte sechzehn Monate später ihre Umlaufbahn. Mittlerweile hat Ulysses 8,6 Milliarden Kilometer hinter sich gebracht und als einzige Sonde die Pole der Sonne überflogen. In siebzehn Jahren umkreiste sie in großem Abstand zweieinhalb Mal das Zentralgestirn.

          Von wegen Odyssee

          Das Gemeinschaftsprojekt Europas und der USA habe „die Betrachtung der Sonne und ihres Einflusses auf den umgebenden Raum für immer verändert“, sagte Esa-Wissenschaftsleiter David Southwood. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass das Magnetfeld des Sterns das Sonnensystem stärker beeinflusst als bis dahin angenommen. Auch die Geschwindigkeit des Sonnenwindes - ein konstanter Partikelstrom - stellte sich nach den Sondendaten als meist doppelt so hoch heraus, wie von den Forschern zunächst erwartet.

          Bleibt zuletzt noch die Frage, warum die Sonde eigentlich „Ulysses“ getauft wurde. Von einer Odyssee kann bei einer Raumsonde schließlich nicht gut die Rede sein, denn keine Heimkehr war vorgesehen. Und im amerikanischen Ithaka tröstete man sich längst mit anderen Sonden. Musste es ein Homerischer Held sein, so hätte es genügend andere gegeben, denen vor Trojas Mauern oder auf der Rückreise endgültig die Batterien geleert wurden - um es gleich mit Blick auf die nun dem Kältetod entgegen fliegende Raumsonde zu formulieren. Aber offensichtlich war der Name des listigen Helden von zu großer Anziehungskraft. Attraktiver als „Phoenix“ war er allemal.

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