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Solar Orbiter : Europa zur Sonne

Mission mit komplexer Instrumentierung: Der Solar Orbiter vermisst nicht nur die Umgebung der Sonne, sondern hat auch verschiedene Kameras an Bord. Bild: AP

Rätselhafter Heimatstern: Die Esa setzt mit dem Start des Solar Orbiter eine eindrucksvolle Tradition von Sonnenmissionen fort und wird Daten liefern, die andere Programme sinnvoll ergänzen.

          7 Min.

          Europa hat eine neue Sonnensonde: Am Montagmorgen um 5.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde in Cape Canaveral mit einer Atlas-V-Rakete der „Solar Orbiter“ der Europäischen Weltraumorganisation Esa gestartet. Mit ihr wollen europäische Astronomen die Funktionsweisen unseres Sonnensystems besser verstehen – eines der vier großen Vorhaben, in die die Esa 2005 ihre „Cosmic Vision“ für die astronomische Forschung für die Jahre 2015 bis 2025 gegliedert hat. Das Projekt mittlerer Größe soll neue Erkenntnisse darüber liefern, wie die Sonne das Sonnensystem anhand ihres Magnetfeldes, ihres Sonnenwinds und ihrer wiederkehrenden Eruptionen prägt und beeinflusst – nicht nur, um unsere eigene Heimat besser zu verstehen, sondern auch, um die allgemein gültigen physikalischen Grundlagen der Wechselwirkung zwischen einem Stern und seinen Planeten an dem uns am besten zugänglichen System zu studieren.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Sonne ist dabei eines derjenigen Phänomene, das uns einerseits aus unserem Alltag so vertraut ist wie kaum ein anderes, über das uns andererseits moderne Wissenschaft und Technik ein Bild geliefert haben, das sich von unserer Wahrnehmung deutlich unterscheidet. So erfahren wir Menschen die Sonne seit jeher als weitgehend ruhige und verlässliche Energiequelle, doch wenn wir hochauflösende Teleskope auf sie richten, erblicken wir eine in ständigem Aufruhr brodelnde, unruhige Oberfläche, geprägt von Sonneneruptionen und Teilchenstürmen.

          Konvektionszellen auf der Sonnenoberfläche wie in einem Topf kochenden Wassers, aufgenommen mit dem Daniel K. Inouye Solar Telescope

          Der Weg zu einem solch dynamischen Bild unseres Heimatsterns nahm einige Zeit in Anspruch. Die direkte Erfahrung der Sonne, und mit ihr auch die der Sterne, als ewige und unveränderliche Körper hatte sich früh im Aristotelischen Weltbild manifestiert und dominierte historisch lange den menschlichen Blick in den Himmel. Erst Tycho Brahes Beobachtung einer Sternexplosion 1572 und Willem Blaeus Entdeckung des Sterns P Cygni im Jahr 1600, dessen starker Sternwind für drastische Helligkeitsschwankungen sorgt, zeigten, wie sehr dieses statische Bild der Sterne in die Irre führt. Dass dies ebenso für unsere Sonne gilt, obwohl sie sich als relativ leichter Hauptreihenstern in der äußerst stabilen und langlebigen Phase des Wasserstoffbrennens befindet, wissen wir heute auch aus leidiger Erfahrung: Sonnenaktivität hat einigen Einfluss auf unsere irdische Elektrotechnik. Navigationssysteme, Funkverkehr und Stromnetzwerke sind gefährdet, wenn starke Sonneneruptionen geladene Teilchen in Richtung Erde senden.

          Ein neuer Blick auf die Sonne

          Das Phänomen der Sonnenwinde wurde allerdings erst vor rund 60 Jahren zum ersten Mal mit einem theoretischen Modell beschrieben. Der amerikanische Astronom Eugene Parker untersuchte 1958 die dynamischen Konsequenzen der damals vom deutschen Astronomen Ludwig Biermann aufgestellten Hypothese, dass von der Sonne kontinuierlich Gas mit Geschwindigkeiten von einigen hundert Kilometern pro Sekunde in den interplanetaren Raum ausgestoßen wird – eine Behauptung, die sich aus den beobachteten Ausrichtungen der Schweife von Kometen ergab, die stets von der Sonne weg zeigen.

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