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Rekonstruierte Landung : Der Adler ist gelandet

Tranquility Base: Buzz Aldrin erforscht den Landeplatz der Mondfähre. Bild: NASA

Der Funkkontakt der Apollo-11-Mission gibt einen Eindruck der dramatischen Geschehnisse vor 50 Jahren. 20 Sekunden lagen zwischen Erfolg und Scheitern der Mission.

          Den Programm-Alarm 1202, der Neil Armstrong und Buzz Aldrin an Bord der Mondlandefähre Eagle am 20. Juli 1969 um 20.10 Uhr Weltzeit aufschreckte, hatten die beiden Astronauten bei den simulierten Testflügen nie gesehen. Zum Zeitpunkt des Alarms hatten sie sich der Mondoberfläche schon bis auf rund zehn Kilometer genähert, wesentlich weiter als Apollo10 zwei Monate zuvor. In Simulationen waren die Astronauten darauf trainiert worden, während der Landung bei auftretenden Störfällen sofort einen Abbruch in Erwägung zu ziehen. Jetzt, in der realen Situation, war die Reaktion aber eine ganz andere.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Buzz Aldrin, Pilot der Landefähre und während des Anflugs dafür zuständig, Kommandant Armstrong mit allen für die Landung notwendigen Instrument-Ablesungen zu versorgen, erinnerte sich später: „In einer Simulation trainiert dich jemand darauf, eine bestimmte Reaktion zu zeigen. Also willst du das in der Simulation Richtige tun. Aber wenn es keine Simulation ist, dann willst du das Richtige tun, um die Mission zu erledigen.“ Armstrong teilte diese Einschätzung: „Wir waren so weit gekommen, und wir wollten landen. Wir wollten keine Abbrüche proben.“

          In Houston hatten währenddessen die Software-Ingenieure vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa) den Grund des alle zehn Sekunden wiederkehrenden Alarms erkannt: Der Computer signalisierte eine Überlastung angesichts einer zu großen Anzahl auszuführender Rechenjobs. Was daraus genau folgte, ob eine Konsequenz der Ausfall wichtiger Berechnungen sein würde, war für viele Software-Experten, die von der Erde aus die Mission unterstützten, eine offene Frage, wie sich Fred Martin 1994 erinnerte.

          Aus Houston gab es ein „Go“

          Er war leitend am MIT für die Softwareentwicklung zuständig. Die Experten im Kontrollraum gingen dagegen innerhalb von Sekunden davon aus, dass die Mission durch den Alarm nicht gefährdet sein würde: Der Computer würde unwichtige Berechnungen ignorieren, essentielle aber ausführen. Aus Houston gab es ein „Go“, die Eagle konnte weiter abbremsen. Um 20.13Uhr, in einer Höhe von knapp fünf Kilometern, erschien die Mondoberfläche erstmals an der unteren Kante in Armstrongs Fenster. Eine Minute später wechselte die Mondfähre aus der Bremsphase in die Phase des Landeanflugs und begann, sich aus einer bis dahin weitgehend horizontalen Ausrichtung aufzurichten.

          Um 20.14 Uhr kam es zum nächsten Programm-Alarm, diesmal 1201. Dass dieser Fehler vom gleichen Typ wie zuvor war und damit kein wirkliches Problem darstellte, war Houston sofort klar. Die ernste Konsequenz des Alarms war aber eine indirekte: Aldrin und Armstrong wurden von der Ausführung des Landeanflugs abgelenkt. „Normalerweise hätten wir in dieser Phase die Landestelle ausgewertet und unsere sowie die Landeposition geprüft. Nun galt unsere Aufmerksamkeit aber nicht so sehr dem Landegebiet, sondern der Frage, ob wir die Landung überhaupt fortsetzen können“, erinnerte sich Armstrong 1969 bei der technischen Abschlussbesprechung der Mission. Der größte Teil ihrer Aufmerksamkeit sei auf die Vorgänge innerhalb des Cockpits gerichtet gewesen, nicht auf den Landeplatz.

          Erst als sie sich weniger als 600 Meter über der Oberfläche befanden, habe sich der Programm-Alarm beruhigt. „Wir sahen, dass das Gebiet der Landung kurz vor einem großen steinigen Krater lag, der von einem Feld großer Steine umgeben war, die einen Großteil der Oberfläche bedeckten“, beschrieb Armstrong den Moment, als er sich endlich auf die Mondoberfläche konzentrieren konnte. Auf der Grundlage der Positionsdaten und der Beschreibung Armstrongs konnten die Missions-Geologen sofort eingrenzen, dass es sich um den West-Krater handeln musste.

          „Wir atmen wieder. Vielen Dank.“

          Zunächst zog Armstrong eine Landung vor dem Krater in Betracht, schnell war aber klar, dass eine Landung dort zu gefährlich sein würde. Also nach rechts oder links schwenken oder den Krater überfliegen? Armstrong entschied sich für Letzteres und schaltete um auf die manuelle Steuerung der Landefähre – ohne über den mit der veränderten Flugbahn verbundenen höheren Treibstoffverbrauch nachzudenken, wie Aldrin und Armstrong im Nachhinein zugaben. Die Flughöhe der nun fast vollständig vertikal aufgerichteten Landefähre betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch rund 180 Meter.

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