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Rekonstruierte Landung : Der Adler ist gelandet

Um 20.16 Uhr zeigte die Tankanzeige noch acht Prozent Füllstand an, eine Minute später in einer Höhe von 30 Metern war sie schon auf fünf Prozent gesunken. Bei dieser Tankmarke wurde automatisch ein Countdown ausgelöst, nach dessen Ende die Landung entweder innerhalb von 20 Sekunden hätte erfolgen oder abgebrochen werden müssen. Um 20.17 Uhr gab Charles Duke, Verbindungssprecher in Houston, durch, dass es 60 Sekunden bis zum Ablauf des Countdowns waren, die Eagle war zwölf Meter von der Oberfläche entfernt. Dann waren es „30 Sekunden“ bei einer Höhe von sechs Metern.

In Houston war die Anspannung enorm. Als Buzz Aldrin um 20.17 Uhr beim Stand von 39 Sekunden schließlich „contact light“ meldete, dass also mindestens eines der Beine der Landefähre den Boden berührt habe, war die Erleichterung beispiellos. „Da wussten wir, dass sie gelandet waren – und sofort entlud sich die Spannung. Wir alle atmeten auf. Wir hatten es geschafft“, erinnerte sich Duke im Mai 2019 bei einem Besuch in Deutschland an diesen besonderen Moment. Wenige Sekunden später sandte Armstrong an Houston die berühmte Mitteilung: „Houston, hier ist Tranquility-Station, der Adler ist gelandet.“ Duke wollte antworten und bekam vor Aufregung den Namen der Mare-Region nicht fehlerfrei zustande. Erst im zweiten Anlauf antwortete er: „Roger, Tranquility“, und weiter, „Wir atmen wieder. Vielen Dank.“

Kurzes Telefonat mit dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon

Dass es im finalen Teil der Landung angesichts des vermeintlich niedrigen Tankstands noch zu einem Abbruch hätte kommen können, hält Duke im Rückblick für unwahrscheinlich: „Wenn ich gesagt hätte – und da bin ich absolut sicher: ‚Eagle, Abbruch!‘, dann wäre mir absolute Stille entgegengeschlagen. Ich hätte wohl die Antwort bekommen: ‚Bitte wiederholen, Houston, ich verstehe Sie nicht richtig.‘ Und dann wäre er gelandet.“ Tatsächlich stellte sich in der späteren Auswertung der Mission heraus, dass die Astronauten doch noch mehr Treibstoff hatten, als angenommen wurde. Angesichts der Bewegung der Flüssigkeit in den Tanks arbeitete die Anzeige nicht zuverlässig. Der verbleibende Treibstoff hätte noch für 45 Sekunden gereicht, inklusive der 20 für einen Abbruch nötigen Sekunden.

Nach der Landung trafen Aldrin und Armstrong zunächst Vorbereitungen für einen sofortigen Wiederaufstieg, der notwendig gewesen wäre, wenn beispielsweise einer der Treibstofftanks beschädigt worden wäre. Innerhalb weniger Minuten gab die Bodenkontrolle aber Entwarnung: Die Eagle hatte die Landung gut überstanden. Der dritte Apollo-Astronaut, Michael Collins, der im Kommandomodul des Raumschiffs Columbia 110Kilometer über der Oberfläche im Mondorbit kreiste, konnte seinen Kollegen um 20.30 Uhr gratulieren: „Tranquility-Station, von hier oben hat es sich großartig angehört. Ihr habt das phantastisch gemacht.“ Armstrong antwortete: „Danke, halte jetzt die Station im Orbit da oben bereit für uns.“

Als Armstrong schließlich sechseinhalb Stunden nach der Landung um 2.56Uhr als erster Mensch den Mond betrat, verfolgten auf der Erde mehr als eine halbe Milliarde Menschen das Ereignis am Bildschirm, viele weitere am Radio. Die knapp zweieinhalb Stunden, die Armstrong und Aldrin auf der Mondoberfläche verbrachten, sahen neben dem Enthüllen einer Gedenkplakette, dem Aufstellen der amerikanischen Flagge und einem kurzen Telefonat mit dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon vor allem die Sammlung von Mondgestein und weitere wissenschaftliche Experimente vor.

„Es gab nie eine Staubwolke“

Dennoch blieb Zeit, den ungewohnten Zauber der Umgebung zu genießen. Armstrong beschrieb später seine Verwunderung angesichts der erdunähnlichen Gegebenheiten: „Ich war überrascht von der vermeintlichen Nähe des Horizonts. Ich war überrascht von der Bewegung des Staubs, den man mit dem Stiefel weggetreten hat, und ich war überrascht, auch wenn das natürlich ganz logisch war, dass Schritte keinen Staub aufwirbelten. Es gab nie eine Staubwolke. Das ist natürlich eine Folge der fehlenden Atmosphäre.“

Aldrin beschrieb seinen ersten Eindruck vom Mond mit den Worten „herrliche Trostlosigkeit“. Dem schlossen sich später einige Astronauten an, die in weiteren fünf Apollo-Missionen auf dem Mond landen würden. Hinsichtlich ihrer historischen Bedeutung konnte keine der weiteren Landungen mit Apollo 11 mithalten.

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